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Andreas Heinemann-Grüder

Föderalismus als Konfliktregelung. Indien, Russland, Spanien und Nigeria im Vergleich

Opladen u. a.: Verlag Barbara Budrich 2011; 322 S.; 36,- €; ISBN 978-3-86649-420-6
Kann auf ethnischen Entitäten beruhender Föderalismus zur Konfliktregelung in einem multiethnischen Staat beitragen – oder ist er nur die Vorstufe, quasi die Vorbereitung einer Sezession? Auf diese zentrale Fragestellung lässt sich die Studie von Heinemann-Grüder fokussieren. Der Autor untersucht diese Frage anhand von vier Fallstudien. Mit der Russländischen Föderation, Nigeria, Spanien und Indien hat er Staaten ausgewählt, die nicht nur in drei bzw. vier verschiedenen Erdteilen liegen, sondern, und darauf wird es bei der Analyse ankommen, vor allem auch durchaus unterschiedliche Regimetypen repräsentieren. Zum einen handelt es sich um etablierte (Spanien), jedenfalls aber weitgehend stabile (Indien), zum anderen um instabile (Nigeria) Demokratien, wenn man Russland nicht sogar schon als Autokratie bezeichnen will. Gemeinsam ist ihnen jedenfalls, dass sie aus einer Vielzahl von Völkern bestehen, zwischen denen sich historisch begründete, zum Teil gewaltsam ausgetragene Konflikte entwickelt haben. Nach einem kurzen Abriss der Diskussion über die theoretischen Vor- und Nachteile ethnischer Föderationen stellt der Autor jeweils die Problemlagen und die institutionellen Arrangements der untersuchten Staaten dar. Dies geschieht in einer im Wesentlichen nachvollziehbaren Weise, wenngleich generell einige Karten jenen Lesern, die mit der jeweiligen regional-ethnischen Situation der untersuchten Staaten nicht vertraut sind, das Verständnis an mancher Stelle erleichtert hätte. Heinemann-Grüder kommt zu dem Schluss, dass – bei allen durchaus feststellbaren Problemen (etwa dem der „Minderheit in der Minderheit“, 286) – der Föderalismus auch und gerade für multiethnische Staaten große Chancen jedenfalls für die Konfliktregelung, wenn auch nicht zwangsläufig für eine endgültige Konfliktlösung bietet. Wesentlich für den Erfolg ist dabei der Grad der Demokratie und der Zivilgesellschaft im jeweiligen Staat. Sezessionen müssen, das zeigen die untersuchten Fälle, jedenfalls keine zwingende Folge von Ethnoföderalismus sein.
Sven Leunig (SVL)
Dr., Politologe, Akademischer Rat, Institut für Politikwissenschaft, Universität Jena (www.svenleunig.de).
Rubrizierung: 2.21 | 2.61 | 2.62 | 2.67 | 2.68 | 2.22 | 4.41 | 5.41 Empfohlene Zitierweise: Sven Leunig, Rezension zu: Andreas Heinemann-Grüder: Föderalismus als Konfliktregelung. Opladen u. a.: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/34336-foederalismus-als-konfliktregelung_41212, veröffentlicht am 02.08.2012. Buch-Nr.: 41212 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken