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Christian Felber / Markus Henn / Stephan Lindner

Financial Crimes. Wie Banken funktionieren, spekulieren und welche Alternativen nötig sind!

Hamburg: VSA 2012 (AttacBasisTexte 38); 93 S.; 7,- €; ISBN 978-3-89965-454-7
Welchen Anteil haben die Banken und die Politik der Liberalisierung der Finanzmärkte an der gegenwärtigen Krise? Diese Frage steht im Mittelpunkt des schmalen Bandes aus der Reihe der Attac-Basistexte. Entsprechend der Zielsetzung dieser Reihe legen die Autoren keine umfassenden Analysen vor, sie bieten aber – am Beispiel Deutschlands und der USA – in groben Zügen eine gut verständliche Einführung in die Entwicklung des Banken- und Finanzmarktsystems, erläutern die Grundzüge des Geld- und Notenbanksystems und setzen sich mit den tiefer liegenden Ursachen der Krise auseinander. Diese führen sie auf eine relativ ungleiche Einkommensverteilung zurück, wodurch, ähnlich wie heute, bereits die Weltwirtschaftskrise Ende der 1920er-Jahre möglich geworden sei. In einem knappen historischen Abriss über den Wirtschaftsboom der Nachkriegszeit und der ersten schweren Rezession in den 1970er-Jahren wird erklärt, wie die Einführung flexibler Wechselkurse zu neuen und riskanten Finanzmarktprodukten sowie die Deregulierung der Finanzmärkte zu mehr internationalem Wettbewerb mit zum Teil fatalen Folgen führte. Entgegen der weit verbreiteten Annahme, dass die Lehmann-Pleite die Krise herbeigeführt habe, argumentieren die Autoren, dass diese nicht Ursache, sondern Folge eines gestörten Interbankenmarktes war. „Und die Störung des Interbankenmarktes selbst war auch eine notwendige Folge realer und lange bekannter Probleme.“ (52) Wer wissen möchte, warum die Europäische Zentralbank (EZB) eine sozial unausgewogene Politik verfolgt oder der Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung (SoFFin) ein „demokratischer Skandal“ (53) ist, ist mit diesem Band gut beraten. Er vermittelt insgesamt einen Eindruck von den komplexen Zusammenhängen der Krise und der Kurzsichtigkeit der vorgenommenen Rettungsaktionen. Darüber hinaus wird aufgezeigt, wie ein gemeinwohlorientiertes Bankensystem aussehen könnte. „Voraussetzung wäre, dass wir Geld immer mehr als öffentliches Gut zu verstehen beginnen, die Banken nicht über den Markt organisieren und den Anspruch loslassen, dass Kapital vermehrt werden muss. Ziel des Wirtschaftens ist nicht die Mehrung des Kapitals, sondern des Gemeinwohls. […] Daran müssen sich alle wirtschaftspolitischen Maßnahmen messen lassen.“ (90)
Anke Rösener (AR)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.2 | 2.263 | 2.343 | 2.64 | 4.43 | 3.5 Empfohlene Zitierweise: Anke Rösener, Rezension zu: Christian Felber / Markus Henn / Stephan Lindner: Financial Crimes. Hamburg: 2012, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/34971-financial-crimes_42065, veröffentlicht am 22.11.2012. Buch-Nr.: 42065 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken