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Ursula Prutsch

Eva Perón. Leben und Sterben einer Legende. Eine Biographie

München: C. H. Beck 2015; 251 S.; brosch., 14,95 €; ISBN 978-3-406-68276-6
Kaum eine andere Person hat das Bild Argentiniens so sehr geprägt wie die Präsidentengattin Eva Per Ón. In ihrer Biografie will Ursula Prutsch der „Faszination nachspüren, die [sie] noch immer ausübt“ (11), und erklären, warum sie den einen als Feministin, Wohltäterin, Märtyrerin und Heilige, den anderen als „Möchtegern‑Künstlerin, […] Prostituierte, Intrigantin, Verführerin des Volkes“ (11) gilt. Im Laufe der Abhandlung werden biografische Fakten daher immer wieder in Kontrast zu Angaben anderer Biografien und der Popkultur gesetzt, um zu zeigen, wie ihr Leben und Wirken von verschiedenen Seiten zu vereinnahmen versucht worden ist. Auch endet die Biografie nicht mit ihrem krebsbedingten und vom autoritären Regime propagandistisch aufgewerteten Tod, sondern erzählt von der 22‑jährigen Odyssee ihres Leichnams, der globalen Verbreitung eines Mythos durch Musical und Film und den Bestrebungen nachfolgender Regime, sie als Symbol des Peronismus aus der Öffentlichkeit Argentiniens zu verbannen. In all diesen Ausführungen schafft es die Historikerin, die herausragenden emanzipatorischen Bemühungen um soziale Gerechtigkeit zu thematisieren, dabei aber nie deren Einbettung innerhalb des Regimes zu vernachlässigen. So bemühte sich Eva Perón etwa um die Einführung des Frauenwahlrechts und war als mächtigste Person neben dem Präsidenten eine selbstbewusste Persönlichkeit. Gleichzeitig dienten die Einbindung der Frauen und die Rhetorik gegen die Reichen im Land immer auch dem Machterhalt des Regimes und hatte der Kampf um Frauenrechte seine engen Grenzen durch Katholizismus und traditionelle Rollenbilder. Prutsch will die Geschichte Eva Peróns daher auch als ein „Lehrstück für das Handeln von Populisten“ (229) und ihre Person als „Ikone moderner Politik“ (228) verstanden wissen, in der hinter dem Schema von Gut und Böse komplexe Probleme stecken, zu deren nachhaltiger Lösung der Perónismus nicht beitragen konnte. Insofern liest sich die Biografie als Mahnung, die Vergangenheit nicht zu verklären und sich stattdessen einer kritischen Auseinandersetzung mit dem Mythos Eva Perón anzunehmen.
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Rubrizierung: 2.12.65 Empfohlene Zitierweise: Sven-Jacob Sieg, Rezension zu: Ursula Prutsch: Eva Perón. München: 2015, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/39478-eva-pern_47728, veröffentlicht am 03.03.2016. Buch-Nr.: 47728 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken