Martin Langebach / Andreas Speit

Europas radikale Rechte. Bewegungen und Parteien auf Straßen und in Parlamenten

Zürich: Orell Füssli 2013; 287 S.; geb., 21,95 €; ISBN 978-3-280-05483-3
Rund ein Jahr vor der Europawahl im Mai 2014 legen der Soziologe Martin Langebach und der Journalist Andreas Speit ihren Überblick über radikale rechte Parteien und Bewegungen in vierzehn europäischen Ländern vor. Die Autoren nehmen extrem rechte, neonazistische Akteure genauso in den Blick wie moderatere Gruppen und Strömungen, die sich vielleicht als rechtspopulistisch klassifizieren ließen. Dabei stützen sie sich auf die umfassende Definition einer radikalen Rechten, wie sie Michael Minkenberg vor Jahren vorgeschlagen hat. Die Rechtsradikalen verzeichneten in den zurückliegenden Jahren fast überall Landgewinne und erhalten in vielen Ländern deutlichen Zuspruch. Langebach und Speit haben dazu ein journalistisches Buch vorgelegt. Es basiert auf Vor‑Ort‑Recherchen in der Zivilgesellschaft sowie auf Interviews und Befragungen unterschiedlichster Akteure – auch von extrem rechten Funktionären. Deutlich wird, dass zwar in der europäischen Rechten Einigkeit in der Ablehnung der EU herrscht. In Detailfragen aber gibt es Unüberbrückbares, so etwa in der Frage der staatlichen Zugehörigkeit einzelner Territorien. Auch das Verhältnis zu den Juden gestaltet sich unterschiedlich. Halten die einen an ihrer prinzipiellen Judenfeindlichkeit fest (so etwa die deutsche NPD oder die Jobbik in Ungarn), sehen andere in Israel ein natürliches Bollwerk gegen Islam und Dschihad, das es zu unterstützen gilt. Leider verfügt das Buch über kein Register und keine Quellenangaben. Aber eine weiterführende Literaturliste hilft demjenigen weiter, dessen Interesse durch das flüssig geschriebene Buch geweckt worden ist. Zwar ist es in erster Linie an eine allgemein interessierte Öffentlichkeit gerichtet, dennoch dürften auch bereits vorab informierte Politikwissenschaftler vieles mit Gewinn lesen und manche nützliche Detailinformation finden.
Christoph Kopke (CKO)
Dr. phil., Dipl.-Pol., wiss. Mitarbeiter, Moses Mendelsohn Zentrum für europäisch-jüdische Studien, Universität Potsdam.
Rubrizierung: 2.25 | 2.37 | 2.5 | 2.4 | 3.3 | 2.61 | 3.4 Empfohlene Zitierweise: Christoph Kopke, Rezension zu: Martin Langebach / Andreas Speit: Europas radikale Rechte. Zürich: 2013, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/36068-europas-radikale-rechte_43908, veröffentlicht am 15.08.2013. Buch-Nr.: 43908 Rezension drucken

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