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Hans-Jürgen Bieling / Daniel Buhr (Hrsg.)

Europäische Welten in der Krise. Arbeitsbeziehungen und Wohlfahrtsstaaten im Vergleich

Frankfurt a. M./New York: Campus Verlag 2015 (Internationale Arbeitsstudien 11); 354 S.; 29,90 €; ISBN 978-3-593-50276-2
Die internationale Finanz‑ und Wirtschaftskrise hat die europäischen Staaten in unterschiedlichem Ausmaß getroffen. Ungeachtet grundlegender gemeinsamer Strukturmerkmale, die die Rede von einem spezifisch europäischen Sozial‑ oder Gesellschaftsmodell partiell rechtfertigen, hat die vergleichende Kapitalismusforschung (Varieties of Capitalism, VoC) verschiedene nationale institutionelle Arrangements und Pfadabhängigkeiten herausgearbeitet, die auch für die Krisenbearbeitung von Bedeutung sind. Gleichzeitig werden Krisen und Brüche der kapitalistischen Entwicklung in der VoC‑Debatte oftmals vernachlässigt, weshalb die Herausgeber ergänzend auf regulationstheoretische Überlegungen zurückgreifen. Die Kombination dieser beiden Ansätze bildet damit auch den Rahmen dieses Sammelbandes. In einer ersten Annäherung wird darin untersucht, wie sich Strategien und Ergebnisse der Krisenbearbeitung in elf EU‑Ländern darstellen. Der Schwerpunkt liegt – über eine Berücksichtigung der national spezifischen Kapitalismusmodelle hinaus – insbesondere auf zwei inhaltlichen Erweiterungen des vergleichenden Analysedesigns: Erstens wird den jeweiligen Arbeitsbeziehungen als bedeutender Ort der Konfliktaustragung mit Blick auf das Krisenmanagement besondere Aufmerksamkeit geschenkt; zweitens wird der Einfluss der europäischen Ebene – sowohl mit Blick auf die wirtschaftlichen Vernetzungsstrukturen als auch auf die gemeinschaftliche Krisenbearbeitung – zentral berücksichtigt. Die einzelnen Länderstudien halten sich dabei weitgehend an das in der Einleitung vorgegebene Analysedesign, was eine vergleichende Betrachtung der Ergebnisse erst ermöglicht. Obgleich sich in allen Ländern eine grundlegende Tendenz zu weiterer Flexibilisierung und Deregulierung abzeichnet, stellen sich Ausmaß sowie Art und Weise dieser Prozesse dennoch sehr unterschiedlich dar. Deutlich wird unter anderem, dass sich die negativen sozialpolitischen Auswirkungen nur in Ländern mit einer ausgeprägten sozialpartnerschaftlichen Tradition in Grenzen halten. Allgemein zeigt sich, dass die unterschiedlichen Wirtschaftsstrukturen sowie die verschiedenen Traditionen der politischen Konfliktbearbeitung tendenziell zu einer zunehmenden Spaltung innerhalb der EU geführt haben, die die politisch und ökonomisch starken Länder auf Kosten der schwächeren weiter konsolidiert hat. Ein Schlusskapitel der Herausgeber stellt die Befunde der Länderstudien vergleichend gegenüber.
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Rubrizierung: 2.2622.32.3422.612.22.22 Empfohlene Zitierweise: Björn Wagner, Rezension zu: Hans-Jürgen Bieling / Daniel Buhr (Hrsg.): Europäische Welten in der Krise. Frankfurt a. M./New York: 2015, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/39069-europaeische-welten-in-der-krise_47073, veröffentlicht am 12.11.2015. Buch-Nr.: 47073 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken