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Tom Holert / Mark Terkessidis

Entsichert. Krieg als Massenkultur im 21. Jahrhundert

Köln: Kiepenheuer & Witsch 2002 (KiWi 714); 287 S.; 9,90 €; ISBN 3-462-03163-5
Aus Sicht der "cultural studies" betrachten die Autoren die Zusammenhänge zwischen dem Bedürfnis nach Sicherheit, dem Krieg und der (Massen-)Kultur. Die Staaten des Westens befinden sich in einem - jedenfalls rhetorischen - Krieg, der aber nicht wie frühere Kriege auf territoriale und zeitliche Einheiten begrenzt ist, sondern nunmehr alles durchdringt. Das hat Rückwirkungen auf den Westen selbst: "Je mehr 'Sicherheit' zur Legitimität bestimmter Formen des Regierens beiträgt, desto entscheidender wird das Wissen darum, wie sich Gefühle der Sicherheit und Unsicherheit herstellen und kommunizieren lassen" (164). Neben den Rüstungskonzernen sind vor allem private "Sicherheitsdienstleister" die Nutznießer dieser Entwicklung. Nicht nur die zivile Sphäre wird militarisiert, sondern auch das Völkerrecht, in dem zivile Mechanismen eine immer geringere Rolle spielen: "Die Politik der Abschreckung hat sich zu einer Politik der präventiven Intervention entwickelt, die den Zeitpunkt des militärischen Einschreitens zeitlich immer weiter vorverlegt" (167). Ausgangspunkt sind kulturelle Gründe: "Flexibilität, Effizienz, Mobilität oder Selbstverwirklichung erweisen sich als zutiefst kriegerische Normen" (229), die die Ausbreitung des Krieges in die westlichen Gesellschaften erheblich begünstigen. Insofern bestehen zwischen Krisengebieten und dem scheinbar "befriedeten" Westen, wie die Autoren zeigen, keine solch radikalen Unterschiede.
Florian Peter Kühn (KÜ)
Dr., M. P. S., wiss. Mitarbeiter, Institut für Internationale Politik, Helmut-Schmidt-Universität, Hamburg.
Rubrizierung: 2.23 | 2.2 | 2.35 Empfohlene Zitierweise: Florian Peter Kühn, Rezension zu: Tom Holert / Mark Terkessidis: Entsichert. Köln: 2002, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/17235-entsichert_19829, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 19829 Rezension drucken