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Michael Heise

Emerging from the Euro Debt Crisis. Making the Single Currency Work

Berlin u. a.: Springer 2013; XIII, 123 S.; 53,49 €; ISBN 978-3-642-37526-2
Mit Blick auf den gegenwärtigen Zustand der europäischen Wirtschafts‑ und Währungsunion geht Michael Heise, der sich selbst als „business economist“ (VIII) bezeichnet, der Frage nach, wie ein so komplexes Gefüge wie die europäische Gemeinschaftswährung am besten aus der Krise herauskommen kann. Ausgehend von einer kurzen historischen Erschließung der europäischen Wirtschafts‑ und Währungspolitik umfasst das zwei Perspektiven: zum einen geht es um die Beurteilung der bisherigen Maßnahmen der Europäischen Union wie der nationalen Regierungen und zum anderen um an den Status quo anknüpfende Politikempfehlungen. Was die bisherigen Maßnahmen von EU, EZB und den Euro‑Staaten anbelangt, so lautet Heises Einschätzung, dass seit der Gründung der Euro‑Zone mindestens zwei Fehler gemacht worden sind: Die ökonomische Heterogenität der Euro‑Staaten sei nicht hinlänglich berücksichtigt und der rückblickend nur als beeindruckend zu beschreibenden Tendenz zur Überziehung der Maastricht‑Kriterien (vgl. die eindrucksvolle Tabelle 6.2, Seite 54 zur 3 Prozent‑Schuldengrenze) sei nicht entschieden genug entgegengetreten worden. Diesem weit verbreiteten Mangel an Entschluss‑ und Durchsetzungsfähigkeit stehen politische Empfehlungen gegenüber, die einerseits auf europäischer Ebene mehr Demokratie und mehr Kontrollkompetenzen, einen Verzicht auf die Transferunion sowie ein geregeltes Verfahren zum Ausstieg aus der Eurozone einfordern. Andererseits solle es keine zentrale europäische Regierung geben, stattdessen reiche es aus, wenn die Nationalstaaten, basierend auf dem Subsidiaritätsprinzip, weiterhin intergouvernemental interagierten. Dass damit der politischen Schwäche Europas in der Welt, die Heise selbst abschließend beklagt, kaum beizukommen ist, bleibt ein offener Punkt, der umso mehr verstört, als dass Heise an der politischen Union um jeden Preis festzuhalten gewillt ist. Alles in allem bietet der Band eine kurze und konzise Schilderung der gegenwärtigen Wirtschafts‑ und Finanzkrise – und dabei insbesondere ihrer Implikationen für die Euro‑Zone. Wenig leserfreundlich ist indes das Buchformat selbst: Die über fünfzig Euro für die etwas mehr als hundert Seiten Text in Hardcover sind vielleicht ein gutes, auf jeden Fall aber ein teures Investment.
Matthias Lemke (LEM)
Dr. phil., Politikwissenschaftler (Soziologe, Historiker), wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Helmut-Schmidt-Universität Hamburg.
Rubrizierung: 3.5 Empfohlene Zitierweise: Matthias Lemke, Rezension zu: Michael Heise: Emerging from the Euro Debt Crisis. Berlin u. a.: 2013, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/36453-emerging-from-the-euro-debt-crisis_44445, veröffentlicht am 28.11.2013. Buch-Nr.: 44445 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken