Anke Draude

Die Vielfalt des Regierens. Eine Governance-Konzeption jenseits des Eurozentrismus

Frankfurt a. M./New York: Campus Verlag 2012; 309 S.; kart., 34,90 €; ISBN 978-3-593-39776-4
Diss. FU Berlin, T. Risse, A. Benz. – In dieser Arbeit steht nichts Geringeres als die von der sozialwissenschaftlichen Tradition hervorgebrachte „Überhöhung der westlichen Moderne“ (14) auf dem Prüfstand. Sie zeigt sich für die Autorin vorrangig in staatlichen Denkmustern und kulminiert in eurozentristischen Konzeptionen. „Das Buch nimmt sich vor, den Perspektivenwechsel vom Staat und staatlicher ‚Steuerung‘ zur Vielfalt des Regierens theoretisch‑konzeptionell vorzubereiten. Die Frage, die dabei im Mittelpunkt steht, lautet: Wie lässt sich die Vielfalt des Regierens in Räumen begrenzter Staatlichkeit umfassend und systematisch erschließen?“ (13) Für dieses ambitionierte Vorhaben untersucht Anke Draude zunächst exemplarisch die eurozentristischen Konzeptionen von Staatszerfall und Neopatrimonialismus, bei denen sich insbesondere die Konzentration auf den Staat als zentrales Analyseobjekt sowie die Voraussetzung westlich‑moderner Staatlichkeit (in Form von normativen und ontologischen Prämissen) als ihrer Ansicht nach problematisch erweisen. Um die empirisch vorhandene Vielfalt des Regierens theoretisch‑konzeptionell erschließen zu können, schlägt Draude daher nicht den Staat, sondern Governance als neuen Zugang vor. Governance definiert sie als intendierte Herstellung oder Bereitstellung kollektiver (materieller und immaterieller) Güter. Dieses funktionalistische Verständnis von Governance kann – so das Angebot der Autorin – mithilfe des Äquivalenzfunktionalismus auch methodisch erfasst werden. Durch diesen könnten einerseits funktional gleichwertige, aber substanziell verschiedene Lösungen identifiziert werden, andererseits helfe er den Einfluss modernisierungstheoretischer Denkmuster zu minimieren. Schließlich stellt die Autorin auch eine aus fünf Analysekategorien bestehende Governance‑Heuristik vor, die sie mit Blick auf die Governance‑Forschung in Räumen begrenzter Staatlichkeit als zentral ansieht: Governance‑Leistungen, ‑Akteure, ‑Institutionen, ‑Räume und ‑Kulturen. Auf die im Rahmen ihrer Arbeit nicht oder nur marginal entfalteten Überlegungen weist die Autorin an den entsprechenden Stellen hin. Daher werden weitere theoretische und empirische Untersuchungen erst noch beweisen müssen, ob Draudes Vorschlag eine tatsächliche Alternative zu den von ihr diskutierten Modellen ist.
Ines Weber (IW)
M. A., Politikwissenschaftlerin (Kommunikationswissenschaftlerin, Psychologin), wiss. Mitarbeiterin, Institut für Sozialwissenschaften, Christian-Albrechts-Universität Kiel.
Rubrizierung: 5.41 | 2.2 | 2.21 Empfohlene Zitierweise: Ines Weber, Rezension zu: Anke Draude: Die Vielfalt des Regierens. Frankfurt a. M./New York: 2012, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/35779-die-vielfalt-des-regierens_43409, veröffentlicht am 08.05.2013. Buch-Nr.: 43409 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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