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Georg Overbeck

Die Präsidentschaft von Lucio Gutiérrez. Zum Stand der Demokratie in Ekuador

Marburg: Tectum Verlag 2005; 127 S.; 24,90 €; ISBN 3-8288-8782-1
Im Jahre 1977 stand Ekuador an der Spitze eines Demokratisierungsprozesses in Lateinamerika. Allerdings rechnet der Autor die dort entstandene Demokratie zum Typus der „defekten Demokratien“. Er arbeitet zunächst allgemein den Zusammenhang zwischen diesem Demokratietypus und dem Populismus heraus. Dabei bezieht er sich schwerpunktmäßig auf die lateinamerikanischen Verhältnisse, da der Populismus in diesen Ländern traditionell einen starken Einfluss hat, so Overbeck. Anschließend analysiert er, wie sich das Verhältnis von „defekter Demokratie“ und Populismus in Ekuador darstellt und in welche Richtung sich die Politik der Regierung von Lucio Gutiérrez entwickelt. Gutiérrez gelangte im Jahr 2000 nach einem Umsturz an die Macht und wurde 2002 durch reguläre Wahlen im Amt bestätigt. Er war angetreten, um den Interessen der ärmeren Bevölkerungsschichten Gehör zu verschaffen. Allerdings sei er, so das Fazit des Autors, „weder geneigt, noch fähig, die defekte Demokratie Ekuadors aus dem weiten Graubereich zwischen Demokratie und Autokratie herauszuführen“ (112). Es werde also absehbar auch unter seiner Regierung kaum zu weiteren Demokratisierungsprozessen kommen. Die Arbeit basiert vor allem auf zahlreichen Interviews mit ekuadorianischen Experten, Politikern und anderen Akteuren, die der Verfasser in den letzten Jahren vor Ort geführt hat.
Silke Becker (BE)
Dipl.-Soziologin; freie Journalistin.
Rubrizierung: 2.65 | 2.2 | 2.22 | 2.24 Empfohlene Zitierweise: Silke Becker, Rezension zu: Georg Overbeck: Die Präsidentschaft von Lucio Gutiérrez. Marburg: 2005, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/23940-die-praesidentschaft-von-lucio-gutirrez_27528, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 27528 Rezension drucken