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Alexander Thumfart

Die politische Integration Ostdeutschlands

Frankfurt a. M.: Suhrkamp 2002 (edition suhrkamp 2228); 1020 S.; 20,- €; ISBN 3-518-12228-2
Dieses Buch unternimmt den Versuch, ein vollständiges Tableau der Veränderungen der politischen Landschaft in Ostdeutschland seit der "Wende" von 1989 zu zeichnen. Auf der Grundlage eines klaren methodisch-theoretischen Analyserasters untersucht der Autor den Transitionsprozess und den Stand der politischen Integration Ostdeutschlands. Zur Bestimmung normativer Integration lenkt er seine Aufmerksamkeit auf ein aus fünf Elementen bestehendes Suchraster (1. Mitgliedschaft, 2. Konfliktregulierung, 3. Öffentlichkeit, 4. Solidarität, 5. Wertbindungen), anhand dessen er zeigt, wie sich die "Vereinigung" in allen Segmenten des politischen Systems der neuen Bundesländer vollzogen hat: So wird die Einrichtung von Länderparlamenten und Landesverfassungen behandelt, die Genese der Parteien und des Parteiensystems sowie die Umstrukturierung von Interessenverbänden dargestellt, die Rolle und Position der Kirchen und jüdischen Gemeinden untersucht, die Institutionalisierung der Exekutive und Ministerialverwaltungen auf der Länderebene analysiert sowie die Restrukturierung der Kommunen und die Neuordnung des Mediensystems erörtert. Normative Integration vollzieht sich im Kontext der politischen Kultur. Daher schließt Thumfart Untersuchungen zu Fragen der Gerechtigkeit und Einstellungen zur Demokratie in Ost- und Westdeutschland an. Als Summe seiner Analysen verweist der Autor auf drei Begriffe, die in ihrem wechselseitigen Zusammenspiel "Leitlinien politisch-praktischen wie institutionell-kulturellen Handelns darstellen, um normative Integration und Mitgliedschaft insgesamt zu erzeugen, zu befördern und zu stabilisieren" (861): "Konkordanz" zur Förderung von Einbindungskapazitäten von Minderheiten, "Endogenität" politischer Verantwortung und Gestaltungswillen sowie "Responsivität" auf allen politischen Ebenen und allen Akteuren stellen die "drei selbstreflexiven Stabilisierungsmuster und inkludierenden Gemeinschaftselemente demokratietheoretisch [...] dar, die die normative Integration [...] realistisch zu leisten in der Lage sind" (881). Das Buch gehört ohne Zweifel zu den Standardwerken politikwissenschaftlicher Transitionsforschung. Gerade deshalb wäre es für die Leser hilfreich gewesen, nicht an einem Sach- und Personenregister zu sparen. Aus dem Inhalt: I. Grundlegung: Normative Integration und Transition: Einleitung; Grundelemente normativer Integration. II. Durchführung: Die Segmente des politischen Systems; Parlamentarismus und Länderparlamente im Transitionsprozeß; Parteien und Parteiensystem; Organisierte Interessen und Verbände im Transitionsprozeß; Die Kirchen im intermediären System der Transition; Regierungen und Ministerialbürokratie; Kommunale Ebenen und Selbstverwaltung; Mediensysteme im Transitionsprozeß; Fallbeispiel: Der mediale Bilderstreit im Kulturstadtjahr "Weimar 1999" - kommunikative Integration? III. Konklusion und Ausblick: Politische Kultur - Gerechtigkeit - Zusammenfassung - Leitbilder; Das Konzept der "Politischen Kultur"; Elemente politischer Kultur in Ostdeutschland; Normative politisch-institutionelle und politisch-kulturelle Integration in den Transitionsprozessen in Ostdeutschland: Zusammenfassung der Ergebnisse.
Stefan Gänzle (GÄ)
Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 2.3 | 2.325 | 2.2 | 2.315 | 2.331 | 2.333 | 2.35 Empfohlene Zitierweise: Stefan Gänzle, Rezension zu: Alexander Thumfart: Die politische Integration Ostdeutschlands Frankfurt a. M.: 2002, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/15088-die-politische-integration-ostdeutschlands_17136, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 17136 Rezension drucken