Avenir Suisse / Daniel Müller-Jentsch (Hrsg.)

Die neue Zuwanderung. Die Schweiz zwischen Brain-Gain und Überfremdungsangst

Zürich: Verlag Neue Zürcher Zeitung (NZZ Libro) 2008; 342 S.; 32,- €; ISBN 978-3-03823-475-3
Mit 26 Prozent liegt der Migrantenanteil in der Schweiz höher als in klassischen Einwanderungsländern wie Kanada und gar doppelt so hoch wie in den USA. Im „Zuwanderungsmix“ (7) der Schweiz hat sich im vergangenen Jahrzehnt eine fundamentale Verschiebung vollzogen: Während früher die Einwanderer meist aus Nicht-EU-Staaten kamen, stammen heute rund 70 Prozent aus Ländern der Europäischen Union. Die Einwanderer kommen damit aus Regionen, die der Schweiz sprachlich und kulturell nahe stehen, was die Integration erleichtert. Zudem ist das Qualifikationsniveau der neu in die Schweiz Zugewanderten überdurchschnittlich hoch, knapp 60 Prozent verfügen über einen akademischen Abschluss. Diese sogenannte „Neue Zuwanderung“ wird im Sammelband ausführlich analysiert. Er stellt das Ergebnis einer Zusammenarbeit des Avenir Suisse-Teams, einer von 14 Schweizer Großfirmen 1999 gegründeten Denkfabrik, mit Experten und Kreativen aus zahlreichen Organisationen und Instituten dar. Der Band enthält sowohl wissenschaftliche Analysen als auch essayistisch-journalistische Texte, ergänzt durch zahlreiche Fotos, Schaubilder und Illustrationen. Die außerordentlich attraktive grafische Gestaltung und der sehr übersichtliche Aufbau laden zur Lektüre ein. Das Buch enthält ein zusätzliches „Büchlein“, in dem das Phänomen der neuen Migration quantitativ beschrieben wird; die Statistiken bilden die Grundlage der Beiträge. In denen diskutieren namhafte Wissenschaftler und Experten die Chancen und Risiken der Zuwanderung unter wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und politischen Aspekten. Sie beschreiben die grundlegende Verschiebung der Zuwanderungsstruktur als Folge der migrationspolitischen Reformen der letzten Jahre, insbesondere der Personenfreizügigkeit gegenüber der EU. Sie habe sich zu einem wichtigen Wachstumsmotor entwickelt, von welchem die einheimische Bevölkerung stark profitiere. Dennoch wecke sie auch Ängste und Ressentiments – insbesondere in der Schweizer Mittelschicht, die sich mit einer neuen Konkurrenz konfrontiert sieht.
Sabine Steppat (STE)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.5 | 2.23 | 2.263 Empfohlene Zitierweise: Sabine Steppat, Rezension zu: Avenir Suisse / Daniel Müller-Jentsch (Hrsg.): Die neue Zuwanderung. Zürich: 2008, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/29920-die-neue-zuwanderung_35454, veröffentlicht am 26.02.2009. Buch-Nr.: 35454 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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