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Emmanuel K. Noglo

Die Legitimität des Staates im multiethnischen Kontext – Der Fall Togo

Berlin: Lit 2012 (Politikwissenschaft 192); 188 S.; 29,90 €; ISBN 978-3-643-11950-6
Politikwiss. Diss. Marburg; Begutachtung: D. Berg‑Schlosser. – Wie viele Staaten Afrikas wurde auch Togo 1884 als künstliche Nation erschaffen, indem 38 bis dahin autonome „Ethno‑Nationen“ (107) zu einem Staat zusammengefasst wurden. „Bereits bei der Geburt des kolonialen Staates bestand eine Legitimitätskrise. Die Völker wurden nicht befragt, ob sie eine koloniale Regierung haben wollen oder nicht. Die postkolonialen politischen Akteure führten in einem präsidentiellen Regime diese Politik der ‚Entscheidung für das Volk’ fort“ (130), schreibt Emmanuel K. Noglo. Er verweist damit auf die Wirkmächtigkeit kolonialer Strukturen, die ein System der Ausbeutung ermöglichten, und auf das Grundproblem der Übermacht des Staatspräsidenten im politischen System Togos. So habe durch die fast vier Jahrzehnte währende Gewaltherrschaft von Eyadema Gnassingbe die politische Elite eine autoritäre Sozialisation genossen, die für die bis heute andauernde Krise der politischen Legitimität mitverantwortlich sei. Es sei ein Typus politischer Akteure entstanden, der nicht auf die Durchsetzung politischer Inhalte, sondern allein auf Macht und Profit bedacht sei. „Der Staat wird zur Beute deklariert und der Staatspräsident, der das Amt zu dem Zeitpunkt okkupiert, wird zur Personifizierung des Staates.“ (122) Zudem, erklärt Noglo weiter, scheine der politische Akteur „von ständiger Angst vor Repressalien ausländischer wirtschaftlicher Akteure besessen zu sein, sollte er den Fehler begehen, die Interessen seiner Völker vertreten zu wollen“ (127). Die politische Realität – die der Autor ausführlich und unter Rückgriff auf die vorkoloniale Vergangenheit der Ewe‑, Kaby‑ und Kotokoli‑Völker beschreibt und im Lichte sozial‑ und demokratietheoretischer Überlegungen erklärt – sei durch Korruption, mangelnde Solidarität und Misstrauen der Völker untereinander geprägt. Das politische System Togos könne kaum als Demokratie bezeichnet werden. Vor diesem Hintergrund zeigt der Autor mögliche institutionelle Reformen auf, mit denen die Legitimität der politischen Elite hergestellt werden kann und die letztlich darauf zielen, das „Harmonie‑Prinzip der vorkolonialen Gemeinschaften wiederzubeleben“ (146). Ein wichtiger Baustein stellt die Umsetzung des 2007 per Gesetz beschlossenen Dezentralisierungsvorhabens dar. Das effektivste Mittel aber sieht der Autor in der „Abschaffung der Staatspräsidentenwahl […] zugunsten eines gewählten Gremiums, welches den nationalen Staatspräsidenten […] wählt“ (145).
Anke Rösener (AR)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.67 | 2.22 | 2.23 Empfohlene Zitierweise: Anke Rösener, Rezension zu: Emmanuel K. Noglo: Die Legitimität des Staates im multiethnischen Kontext – Der Fall Togo Berlin: 2012, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/36267-die-legitimitaet-des-staates-im-multiethnischen-kontext--der-fall-togo_44152, veröffentlicht am 10.10.2013. Buch-Nr.: 44152 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken