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Bernhard Pörksen

Die Konstruktion von Feindbildern. Zum Sprachgebrauch in neonazistischen Medien

Wiesbaden: Westdeutscher Verlag 2000; 232 S.; brosch., 49,80 DM; ISBN 3-531-13502-3
Der Autor hat sein Material aus "Flugblättern, Flugschriften, konspirativ vertriebenen Zeitungen, rechtsterroristischen Pamphleten, Zeitschriften, Broschüren und Büchern" gewonnen, die zwischen 1989 und 1993 erschienen sind - aus einer Zeit also, in der neonazistische Gruppen in bisher nicht bekanntem Ausmaß massiv in der Öffentlichkeit auftraten, aus einer Zeit, in der eben diese Öffentlichkeit sowie auch der Staat reagierte - zum Beispiel durch Lichterketten beziehungsweise durch Prozesse sowie Verbote von Organisationen und einem Antrag auf ein Parteienverbot. Anhand dieses Materials fragt Pörksen aus konstruktivistischer Perspektive - in der alle "Beschreibung einer vermeintlich unabhängigen Außenwelt [...] immer auch als Selbstbeschreibungen" (16) erscheinen - "Was sind Feindbilder? Wie manifestieren sie sich in der Sprache? Wie werden Feindbilder, die Bestandteil der neonazistischen Ideologie sind, konstruiert?" (17) Durch die Einsicht in die Konstruktionen von Feindbildern erhofft Pörksen, wenn auch nicht die Abkehr von Gewalt so doch, dass es schwerer falle, "den propagandistischen Stilisierungen, die er in Geschichte und Gegenwart vorfindet, ohne weiteres zu glauben. [...] Dieser Zweifel ist immerhin ein Anfang. Er zerstört den Furor und die Selbstgerechtigkeit, die Gefühle des Hasses und der Feindschaft stets benötigen" (208). Inhaltsübersicht: I. Methode und Modell: 1. Konstruktivistische Perspektiven; 2. Ein Modell zur linguistischen Analyse von Feindbildern. II. Die Ideologie und die Medien neonazistischer Gruppen: 3. Gesichtspunkte der Textauswahl; 4. Der Freundeskreis Freiheit für Deutschland; 5. Das kommunikative Netzwerk der Neonazis. III. Die Ideologiesprache der Neonazis: 6. Kategorien der Sprachanalyse; 7. Das Schlagwort als Mittel der Feindbildkonstruktion; 8. Der Neologismus als Mittel der Feindbildkonstruktion; 9. Die Metapher als Mittel der Feindbildkonstruktion; 10. Schlussbetrachtung: Feindselige Konstruktionen der Wirklichkeit.
Heinz-Werner Höffken (Hö)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Helmut-Schmidt-Universität, Hamburg.
Rubrizierung: 2.37 | 2.35 Empfohlene Zitierweise: Heinz-Werner Höffken, Rezension zu: Bernhard Pörksen: Die Konstruktion von Feindbildern. Wiesbaden: 2000, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/12359-die-konstruktion-von-feindbildern_14765, veröffentlicht am 25.06.2007. Buch-Nr.: 14765 Rezension drucken