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Kristin Bergmann

Die Gleichstellung von Frauen und Männern in der europäischen Arbeitswelt. Eine rechtsvergleichende, empirisch-politikwissenschaftliche Untersuchung

Opladen/Wiesbaden: Westdeutscher Verlag 1999; 245 S.; kart., 58,- DM; ISBN 3-531-13252-0
Diss. Lüneburg; Erstgutachter: U. Thaysen, Zweitgutachter: H. Donner. – Inhalt, Reichweite, mitgliedstaatliche Umsetzung und Hindernisse der europäischen Gleichstellungspolitik bilden die Thematik dieser Arbeit. Gefragt wird, "warum die Situation der Frauen auf dem Arbeitsmarkt trotz gleicher europarechtlicher Rahmenbedingungen von Land zu Land divergiert und wodurch das unterschiedliche Maß an bereits erreichter Gleichstellung der Geschlechter im Erwerbsleben verursacht wird" (14). Bergmann geht auf die nationalen Gleichstellungsgesetze ein, skizziert die ökonomischen, politischen sowie soziokulturellen Rahmenbedingungen in den EU-Mitgliedstaaten und zeigt mögliche Zusammenhänge zwischen gesellschaftlicher Modernisierung und den Erwerbsbeteiligungschancen auf. Die Untersuchung erstreckt sich auf die Phase zwischen 1975, dem Zeitpunkt der Einleitung der europäischen Gleichstellungspolitik, und 1995. Einbezogen wurden die zwölf bisherigen EU-Mitgliedstaaten. Im Ergebnis zeigt sich, daß die Situation von Frauen auf den Arbeitsmärkten in den einzelnen Mitgliedstaaten sehr stark divergiert. "In Griechenland, Irland, Italien, Luxemburg und Spanien sind Frauen deutlich stärker als in anderen Ländern auf ihre traditionelle Rolle als Hausfrau und Mutter beschränkt; ihre Erwerbsquoten liegen weit unter denen ihrer Landsmänner. In Dänemark und Frankreich erscheint die Berufstätigkeit von Frauen dagegen fast eine Selbstverständlichkeit zu sein." (234) Weniger rechtliche als vielmehr unterschiedliche gesellschaftliche Rahmenbedingungen sind für die differierenden Erwerbsbeteiligungschancen ursächlich. Entgegen landläufiger Annahme garantiert ein hoher ökonomischer und soziokultureller Modernisierungsstandard nicht unbedingt die Angleichung der Erwerbsbeteiligungschancen. Entscheidend ist eher, daß die Gleichstellung der Frauen im Arbeitsleben vom Staat durch aktive Maßnahmen unterstützt wird. Auch die Präsenz von Frauen in Parlamenten hat große Bedeutung: "[O]ffensichtlich können Parlamentarierinnen den Anspruch von Frauen auf eine eigenständige Erwerbstätigkeit tatsächlich besonders nachhaltig und wirkungsvoll in den politischen Willensbildungs- und Entscheidungsprozeß einbringen." (232) Inhaltsübersicht: I. Die Angleichung der Erwerbsbeteiligungschancen von Frauen und Männern als Phänomen moderner Gesellschaften; II. Die Gleichstellung von Frauen und Männern im Arbeitsleben im Spiegel europäischer Statistiken; III. EU-Frauenpolitik als politischer Modernisierungsimpuls: Der Grundsatz der Gleichbehandlung von Frauen und Männern in der Europäischen Union; IV. Die Umsetzung des gemeinschaftlichen Gleichstellungsrechts in den Mitgliedstaaten; V. Erwerbsbeteiligungschancen von Frauen und die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen in den Mitgliedstaaten.
Sabine Steppat (Ste)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 3.5 | 3.6 | 2.27 Empfohlene Zitierweise: Sabine Steppat, Rezension zu: Kristin Bergmann: Die Gleichstellung von Frauen und Männern in der europäischen Arbeitswelt. Opladen/Wiesbaden: 1999, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/7761-die-gleichstellung-von-frauen-und-maennern-in-der-europaeischen-arbeitswelt_10300, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 10300 Rezension drucken