Skip to main content
Luciano Canfora

Die Freiheit exportieren. Vom Bankrott einer Ideologie. Aus dem Italienischen von Christa Herterich

Köln: PapyRossa Verlag 2008; 101 S.; 9,90 €; ISBN 978-3-89438-384-8
Den missionarischen Impetus, andere Völker mit der jeweils eigenen Vorstellung von Freiheit zu beglücken und zu meinen, dass der militärische Weg dazu das adäquate Mittel sei, erklärt Canfora in seinem schmalen Band nicht nur für gescheitert, er versteht ihn auch schlicht als Ideologie. Hinter dem Anführen ehrwürdiger Argumente verbürgen sich seit jeher die tatsächlichen, nämlich hegemonialen und kriegerischen Motive von Regierungen. Vom alten Griechenland über Napoleon Bonaparte bis nach Afghanistan schlägt der Autor einen exemplarischen Bogen. In dem Kapitel „Im Namen der ‚Freiheit' in die Barbarei“ verfolgt er komprimiert die Argumentationsmuster der Außenpolitik der USA und legt dar, wie sich der Freiheitsexport in sein Gegenteil verkehrte und völlig diskreditiert wurde. Es sei mittlerweile bekannt, dass das Argument von der Existenz irakischer Massenvernichtungswaffen vorgeschoben war, so der Autor. Auch die Unterstützung der Schiiten im Irak durch die Amerikaner, die diese an anderer Stelle der Welt wie dem Iran als Feinde der Freiheit ansehen, zeige die Beliebigkeit amerikanischer Argumentation. Was für die Freiheit gelte, habe Canfora zufolge auch für andere Begriffe wie Demokratie oder Sozialismus Gültigkeit. Diese Ordnungsparolen im Sinne eines Exports von Idealen müssten ein unmögliches Programm bleiben. Denn wer Freiheit verbreiten wolle, schließt Canfora, der müsse auch sein Verhältnis zu China, Saudi-Arabien und dem Vatikan überdenken. Die Absurdität solcher Forderungen führe somit zu einem rhetorischen Konstrukt wie dem „Schurkenstaat“. Diese Staaten seien nicht nur Horte der Unfreiheit, sondern bedrohten auch den Frieden der freien Welt – für den Autor ist dabei umso überraschender, dass zu Letzterer auch Pakistan und Saudi-Arabien zählen sollen. Es obliege letztlich dem Gutdünken der US-Regierung, wer Terrorist ist und wer nicht. So schließt Canfora seine Studie mit der Feststellung: „Einst sagte [...] man, dass die Alternative zum Sozialismus ‚die Barbarei' sei. Möglicherweise stehen wir gerade davor“ (79).
Timo Lüth (TIL)
Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 5.43 | 4.1 Empfohlene Zitierweise: Timo Lüth, Rezension zu: Luciano Canfora: Die Freiheit exportieren. Köln: 2008, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/29229-die-freiheit-exportieren_34566, veröffentlicht am 23.07.2008. Buch-Nr.: 34566 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken