Andreas Marchetti

Die Europäische Sicherheits- und Verteidigungspolitik. Politikformulierung im Beziehungsdreieck Deutschland – Frankreich – Großbritannien

Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2009 (Schriften des Zentrum für Europäische Integrationsforschung 70); 378 S.; 79,- €; ISBN 978-3-8329-4530-5
Politikwiss. Diss. Bonn; Gutachter: L. Kühnhardt, W. Hilz. – Die EU hat seit dem Inkrafttreten des Maastrichter Vertrages ihren außenpolitischen Handlungsrahmen und das zugehörige Instrumentarium sukzessive erheblich erweitert. Seit 1999 baut die Union im Rahmen der Europäischen Sicherheits- und Verteidigungspolitik (ESVP) ihre Kapazitäten zur Krisenprävention und Krisenbewältigung aus. Ungeachtet der institutionellen und programmatischen Fortentwicklung der ESVP und der Durchführung von über 20 zivilen und militärischen Missionen stimmen jedoch bis heute die Zielvorstellungen der einzelnen EU-Mitgliedstaaten kaum überein. Angesichts dieser mangelnden Kohärenz und der intergouvernementalen Orientierung der ESVP fragt der Autor mit Blick auf die drei Mitgliedsstaaten Deutschland, Frankreich und Großbritannien, wie es überhaupt zur Integration der Sicherheits- und Verteidigungspolitik seit 1999 kommen konnte. Wenig überraschend unterstreicht er, dass die Motive, die zu diesem gemeinsamen Politikziel geführt haben, unterschiedlich gewesen sind. Dies ist an anderer Stelle bereits stringenter sowie theoretisch reflektierter untersucht worden und wird hier lediglich noch einmal zusammengetragen. Konzeptionell wie begrifflich diffus wird die Arbeit jedoch, wenn der Autor mit einem eigenen Kapitel auf die „Effekte der ESVP” (273) zu sprechen kommt. Letztlich referiert er hier überdetailliert den Verlauf der bisherigen ESVP-Missionen, lässt den Leser aber ratlos darüber, ob die ESVP denn „europäisierende Wirkung” auf die Außenpolitik der Mitgliedstaaten oder – viel wichtiger – eine dauerhafte Wirkung im Sinne der angestrebten globalen Krisenprävention und -intervention hat. Sein Fazit, wonach es sich bei der ESVP um eine „europäische Politik im Werden” (305) handele, kann der Autor jedenfalls nicht plausibel machen.
Markus Kaim (MK)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Forschungsgruppe "Sicherheitspolitik", Stiftung Wissenschaft und Politik, Deutsches Institut für Internationale Politik und Sicherheit, Berlin.
Rubrizierung: 3.6 | 4.21 | 4.22 | 2.61 Empfohlene Zitierweise: Markus Kaim, Rezension zu: Andreas Marchetti: Die Europäische Sicherheits- und Verteidigungspolitik. Baden-Baden: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/21707-die-europaeische-sicherheits--und-verteidigungspolitik_37153, veröffentlicht am 10.03.2010. Buch-Nr.: 37153 Rezension drucken

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