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Pedro Aravena Lavín

Die Auswirkungen der Wirtschaftskrisen auf die lateinamerikanische Demokratie

Online-Publikation 2012 (http://ediss.sub.uni-hamburg.de/volltexte/2013/6140/pdf/Dissertation.pdf); 238 S.
Diss. Hamburg; Begutachtung: D. Nolte, K.‑U. Schnapp. – Pedro Aravena Lavín geht der nachgerade schon klassischen, an Seymour M. Lipset orientierten Frage nach, inwieweit in ausgewählten südamerikanischen Ländern – hier: Chile und Argentinien – die wirtschaftliche Situation und Entwicklung insbesondere während der Krisen zwischen 1996 und 2003 auf die Akzeptanz der Demokratie als Regierungsform durchschlagen. Demokratische Akzeptanz beziehungsweise Legitimität definiert Aravena Lavín dabei in Anknüpfung an Juan Linz als „die Überzeugung der Bevölkerung, die Demokratie sei die am wenigsten schlechte aller Regierungsformen, unabhängig davon, wie ihre Meinung zu einzelnen konkreten Entscheidungen aussieht“ (5). Mithilfe eines verschiedene Analysemethoden integrierenden Designs, das von einer grundsätzlichen theoretischen Reflexion über die zentralen Begriffe der Studie bis hin zur statistischen Auswertung von Strukturdaten (Latinobarometer) reicht, kommt der Autor unter anderem zu folgendem Befund: Obwohl sich Chile im Vergleich zu Argentinien durch ein relativ hohes Wirtschaftswachstum auszeichnet, ist der Rückhalt der Demokratie – auch im Vergleich zu den übrigen südamerikanischen Staaten – besonders niedrig ausgeprägt. In Argentinien hingegen, das von einer besonders starken Wirtschaftskrise getroffen worden ist, hat diese es nicht vermocht, das Vertrauen der Bevölkerung in die Problemlösungskompetenz der Demokratie zu unterminieren. Trotz dieser Ergebnisse betont Aravena Lavín grundsätzlich, dass Wirtschaftskrisen die Funktionsfähigkeit und damit auch die Zuerkennung von Legitimität zugunsten der Demokratie in jedem Land an Grenzen führen könnten. Jedoch warnt er vor einer weiteren Gleichung, die einen Rückgang von demokratischer Legitimität automatisch mit der Wiederkehr von autoritären Regimen gleichsetzt und mahnt stattdessen mehr Differenzierung an. Denn für einfache Antworten seien die zu untersuchenden Variablen jenseits der Wirtschaftsleistung, die sich überblicksartig mit den Begriffen der politischen Kultur und der kulturellen Disposition eines Landes wiedergeben lassen, zu komplex.
Matthias Lemke (LEM)
Dr. phil., Politikwissenschaftler (Soziologe, Historiker), wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Helmut-Schmidt-Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.65 | 2.2 | 2.22 Empfohlene Zitierweise: Matthias Lemke, Rezension zu: Pedro Aravena Lavín: Die Auswirkungen der Wirtschaftskrisen auf die lateinamerikanische Demokratie 2012, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/36146-die-auswirkungen-der-wirtschaftskrisen-auf-die-lateinamerikanische-demokratie_44162, veröffentlicht am 05.09.2013. Buch-Nr.: 44162 Rezension drucken