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Parag Khanna

Der Kampf um die Zweite Welt. Imperien und Einfluss in der neuen Weltordnung. Aus dem Amerikanischen von Thorsten Schmidt

Berlin: Berliner Taschenbuch Verlag 2009; 623 S.; 13,95 €; ISBN 978-3-8333-0629-7
Khanna, Senior Research Fellow und Director of the Global Governance Initiative of the American Strategy Programm der New America Foundation, geht davon aus, dass die Bedeutung militärischer Macht zugunsten anderer Kriterien wie ökonomische Produktivität, Innovationskraft, Rohstoffvorkommen, Bevölkerungsgröße sowie nationale Willenskraft und außenpolitisches Geschick weiter abnimmt. Aus diesem Grund bewertet er Brüssel, Washington und Beijing als gleichstarke Einflusszentren, wobei er die EU als eine revolutionäre Institution mit dem Potenzial zur Drehung des geopolitischen Kraftzentrums nach Westen und China als ein drittes Modell imperialer Außenpolitik versteht. Khanna stellt fest, dass sich die EU und China den jeweiligen Status durch die weltweite Sicherung von Loyalitäten und Verbündeten gesichert haben. Beide verwandelten ihre Nachbarstaaten in halbsouveräne Provinzen. Diesen Prozess habe man früher als Imperialismus beschrieben, heute stehe er im Zeichen der Globalisierung. In diesem Kontext geraten die Staaten einer zweiten Welt, die in ihrer Entwicklung zwischen den Industrie- und den armen Entwicklungsländern stehen, ins Zentrum von Khannas spannender geostrategischer Analyse: „Ihre Entscheidungen können das globale Machtgleichgewicht verändern. Einige verfolgen eine ausgeklügelte mehrgleisige Strategie und versuchen von möglichst vielen Supermächten zu profitieren. Andere sind zu schwach, als dass sie die Supermächte gegeneinander ausspielen könnten, und fallen in die Einflusssphäre einer Supermacht.“ (31). Der Autor verweist in diesem Zusammenhang auf erdölproduzierende Schwellenländer wie Venezuela, Libyen, Saudi-Arabien und Kasachstan. Insgesamt sieht er sowohl diese zweite Welt durch ihre Beziehungen zu den Supermächten, als auch die Supermächte durch ihre Beziehungen zu dieser bestimmt. Der zweiten Welt kommt aus Khannas Sicht eine Schlüsselfunktion zu. Ihr Ringen zwischen materiellem Fortschritt und Ressourcenknappheit, kosmopolitischer Globalisierung und ethnischem Traditionalismus, politischer Union und Spaltungstendenzen entscheide, ob um die Einflusssphären der Supermächte Grenzen abgebaut würden oder entstünden.
Marinke Gindullis (MG)
Politikwissenschaftlerin.
Rubrizierung: 4.43 | 4.1 Empfohlene Zitierweise: Marinke Gindullis, Rezension zu: Parag Khanna: Der Kampf um die Zweite Welt. Berlin: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/31648-der-kampf-um-die-zweite-welt_37711, veröffentlicht am 17.02.2010. Buch-Nr.: 37711 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken