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Walter Laudes

Der Hohe Repräsentant für Bosnien und Herzegowina. Der Vertreter der Internationalen Gemeinschaft – eine Bilanz des Amtes

Würzburg: Ergon Verlag 2009 (Spektrum Politikwissenschaft 43); 268 S.; geb., 44,- €; ISBN 978-3-89913-712-5
Diss. Augsburg; Gutachter: T. Stammen, H.-O. Mühleisen, L. Eiber. – Mit dem in Dayton ausgehandelten Friedensvertrag wurde 1995 der Krieg in Bosnien und Herzegowina beendet und das Amt des „Hohen Repräsentanten für Bosnien und Herzegowina“ als oberste politische Instanz eingerichtet. Laudes, der als Mitarbeiter des Amtes die Implementierung des Dayton-Friedensvertrages miterlebte, nimmt eine vorläufige Leistungsbilanz sowie eine kritische Bewertung der politischen Arbeit der bisherigen Hohen Repräsentanten vor. Das Ringen während der Friedensverhandlungen in Dayton um Mandat und Vollmachten des Amtes wird beschrieben. Während die EU, Russland und die amerikanische Diplomatie einerseits einen mit Macht ausgestatteten Hohen Repräsentanten einsetzen wollten, hätten die amerikanischen Militärs versucht, dessen Kompetenzen eher einzuschränken, was zur anfänglichen Limitierung seiner Befugnisse auf die eines Vermittlers zwischen den internationalen und lokalen Akteuren geführt habe. Doch 1997 seien seine Befugnisse erheblich erweitert worden, sodass er „Ersatzgesetzgeber und oberste Entscheidungsinstanz im Staat“ (200) geworden sei. Zudem erfülle er seit 2002 als Sondergesandter der EU eine weitere Funktion. In welcher Weise die bisherigen Amtsinhaber ihre Aufgaben wahrgenommen haben, schildert Laudes. So habe sich das Amt unter Carl Bildt zum „Impulsgeber“ und zur „führenden Agentur“ (202) im Friedensprozess entwickelt. Wolfgang Petritsch sei es gelungen, erstmals ein Gesamtkonzept für den Aufbau demokratisch rechtsstaatlicher Strukturen zu entwickeln. Insgesamt sei der Staat noch immer fragil, seine Struktur basiere weitgehend auf dem ethnischen Prinzip der Gruppensouveränität anstatt auf dem der gleichberechtigten Repräsentation der Bürger, worin ein „Defekt“ des Regimes bestehe. Da bürgerliche Freiheitsrechte beschädigt seien, liege eine „illiberale Demokratie“ (205) vor. Bisher sei der Friede nicht selbsttragend, daher komme dem Hohen Repräsentanten weiterhin die Aufgabe zu, den inneren Frieden und den Bestand des Staates zu garantieren.
Sabine Steppat (STE)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 4.41 | 4.3 | 2.61 | 2.22 Empfohlene Zitierweise: Sabine Steppat, Rezension zu: Walter Laudes: Der Hohe Repräsentant für Bosnien und Herzegowina. Würzburg: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/31950-der-hohe-repraesentant-fuer-bosnien-und-herzegowina_38103, veröffentlicht am 11.05.2010. Buch-Nr.: 38103 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken