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Renate Martinsen

Demokratie und Diskurs. Organisierte Kommunikationsprozesse in der Wissensgesellschaft

Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2006; 110 S.; brosch., 12,- €; ISBN 978-3-8329-1919-1
An Verfahren der Bürgerbeteiligung werden unterschiedliche Erwartungen der Rationalisierung und Demokratisierung von Konflikten geknüpft. Martinsen untersucht solche neuen Diskurs- und Verhandlungsverfahren vor dem Hintergrund etablierter Typologien der politischen Partizipationsforschung und unterzieht sie ferner einer demokratietheoretisch abgeleiteten Kritik. Kommunikative Politikmodelle wie Planungszelle, Mediation, Konsensuskonferenz und Diskursverfahren werden als Ausdruck einer „Demokratisierung von Expertise und der Herausbildung einer kooperativen Staatstätigkeit“ (35) interpretiert; in diesem Sinne sind sie durch eine horizontale Grundstruktur charakterisiert. Martinsen diskutiert die empirische, deliberative sowie partizipative Demokratietheorie und die Rolle, die Diskurse und Bürgerbeteiligung in den unterschiedlichen Varianten spielen. Mit Skepsis betrachtet sie die Annahme, dass diskursive Politikinstrumente in einer zwingenden Verbindung zur Demokratiequalität stehen. Die vorgestellten Verfahrenstypen tragen in unterschiedlichem Maße zur Bearbeitung von Legitimations-, Effizienz- sowie Steuerungsproblemen bei, indem sie den Schwerpunkt entweder auf die Input-, die Output- oder die Throughput-Dimension legen. Als zentrale Herausforderungen betrachtet sie die Verbindlichkeits- sowie die Komplexitätsproblematik. Für Erstere unterbreitet sie institutionelle Verbesserungsvorschläge; ihr zufolge ist die Untersuchung des „komplexen Zusammenspiels zwischen repräsentativen, direktdemokratischen und kooperativen Formen von Demokratie“ (83) eine zentrale Aufgabe für politikwissenschaftliche Forschung. Bezüglich der Komplexitätsproblematik bezieht sie eine differenzierungstheoretische Perspektive, die Demokratie nicht als normatives Postulat, sondern ebenso als „funktionales Erfordernis“ betrachtet. Neue Politikformen sind demzufolge Ausdruck struktureller Koppelung und tragen zur Steigerung der Irritations- und Resonanzfähigkeit sowohl von Politik als auch von Wissenschaft bei. Die Studie entstand als Gutachten im Auftrag des Deutschen Bundestags.
Gabriele Abels (GAB)
Prof. Dr., Professur für Innen- und EU-Politik, Universität Tübingen.
Rubrizierung: 5.41 | 2.2 Empfohlene Zitierweise: Gabriele Abels, Rezension zu: Renate Martinsen: Demokratie und Diskurs. Baden-Baden: 2006, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/21514-demokratie-und-diskurs_30758, veröffentlicht am 25.06.2007. Buch-Nr.: 30758 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken