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Guido Becke / Peter Bleses / Wolfgang Ritter / Sandra Schmidt (Hrsg.)

"Decent Work" Arbeitspolitische Gestaltungsperspektive für eine globalisierte und flexibilisierte Arbeitswelt. Festschrift zur Emeritierung von Eva Senghaas-Knobloch

Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften 2010; 242 S.; 29,95 €; ISBN 978-3-531-16567-7
Der Begriff „Decent Work“ (9) verweist auf die Menschenwürdigkeit von Arbeit unter den Bedingungen der Globalisierung. Er bildet die Klammer für Eva Senghaas-Knoblochs Werk und verkörpert die Leitidee dieses anlässlich ihrer Emeritierung herausgegebenen Bandes. Ausgehend vom „Decent Work“-Konzept der Internationalen Arbeitsorganisation werden Perspektiven der Arbeitspolitik und des politisch-institutionellen Lernens auf globaler, europäischer und nationaler Ebene sondiert. Heide Gerstenberger vertritt die Auffassung, dass die Globalisierung des maritimen Arbeitsmarktes die positive Wirkung von internationalen Regulierungen maritimer Arbeitsverhältnisse begrenzt. Sie betont, dass es sich bei dem Arbeitsmarkt für Seeleute um einen legal globalisierten Arbeitsmarkt handelt, auf dem eine unbegrenzte Anzahl junger Männer zur Akzeptanz jeglicher Arbeitsbedingungen bereit sei. Darüber hinaus verschärften Krisen die Konkurrenz unter Seeleuten. Hierbei gerieten Seeleute europäischer Nationalität gegenüber maritimen Arbeitern aus Asien zunehmend ins Hintertreffen. Gerstenberger kommt zu dem Ergebnis, dass angesichts dieser Gesamtlage selbst im Rahmen der Maritimen Arbeitsrechtskonvention erzielte Erfolge verpufften. Zudem führe die Internationalisierung dieses Bereiches dazu, dass das Recht auf Vereinigungsfreiheit und der daraus resultierende Anspruch auf Kollektivverhandlungen weitgehend außer Kraft gesetzt würden. Aus diesem Grunde werde die globalisierte Arbeitswelt der Seeleute weiterhin durch die Interessen der Schifffahrtsunternehmer determiniert. Sandra Schmidt hinterfragt die Bedingungen in der ursprünglich aufgrund individueller Arbeitsformen als besonders gesundheitsförderlich angesehenen IT-Branche. Sie kommt zu dem Ergebnis, dass die psychischen Belastungen in diesem Sektor besonders stark seien – entgegen der ursprünglichen Annahme. Diese Entwicklung sei die Folge von Hochleistungskulturen und einer unternehmerischen Notwendigkeit zur ständigen Effizienzsteigerung. Vor diesem Hintergrund mahnt Schmidt, dass ein Unternehmen langfristig nur dann flexibel und marktfähig bleiben könne, wenn die Kreativität und Leistungsfähigkeit seiner Mitarbeiter dauerhaft erhalten bleibt.
Marinke Gindullis (MG)
Politikwissenschaftlerin.
Rubrizierung: 1.3 | 2.22 | 2.27 | 2.61 | 2.342 | 2.36 | 4.43 Empfohlene Zitierweise: Marinke Gindullis, Rezension zu: Guido Becke / Peter Bleses / Wolfgang Ritter / Sandra Schmidt (Hrsg.): "Decent Work" Wiesbaden: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/33224-decent-work_39721, veröffentlicht am 09.02.2011. Buch-Nr.: 39721 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken