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Mechthild Baumann / Astrid Lorenz / Kerstin Rosenow (Hrsg.)

Crossing and Controlling Borders. Immigration Policies and their Impact on Migrants' Journeys

Opladen/Farmington Hills: Budrich UniPress Ltd. 2011 (Political Sciences); 290 S.; 33,- €; ISBN 978-3-940755-76-6
Seit dem Ende des Kalten Krieges lässt sich beobachten, dass die Migration zunehmend als sicherheits- und sozialpolitisch bedrohlich diskutiert wird. Es wurde eine Fülle an inter- und supranationalen Abkommen abgeschlossen mit dem Ziel, Migrationsbewegungen zu kontrollieren oder zu unterbinden. Im Gegensatz zu den Interessen der beteiligten staatlichen Akteure werden die Motive und Reaktionen von Migranten in der Regel nicht diskutiert. Wie aber reagieren Migranten auf staatliche Regelungen? Warum und unter welchen Umständen entscheiden sie sich für eine illegale Migration? Spiegeln die Vermutungen, die das Design von Migrationsabkommen bestimmen, die Realität wider? Mit diesen und weiteren Fragen setzen sich die Autorinnen und Autoren in einer disziplinübergreifenden Perspektive unter Einbezug politikwissenschaftlicher und ethnografischer Forschung auseinander. Dabei werden sowohl europäische als auch US-amerikanische Erfahrungen analysiert. Die einzelnen Beiträge zeichnen ein überraschend einheitliches Bild: Grenzkontrollen sind ein ineffektives Instrument, um Migration zu verhindern. Die empirischen Fallstudien zeigen, dass die Entscheidung zur Migration in der Regel ein Mindestmaß an sozialen und persönlichen Ressourcen und Fähigkeiten erfordert und auf einem rationalen Abwägungsprozess basiert; die (zur Migration motivierende) Erkenntnis mangelnder Perspektiven im Heimatland impliziert zumeist das Wissen, nichts zu verlieren zu haben – deshalb tragen auch Zäune und verschärfte Kontrollen selten zur Abschreckung bei. Die genannten notwendigen Ressourcen lassen zugleich das Bild von Migranten als Bedrohung für Sicherheit und sozialen Frieden in einem relativierten Licht erscheinen. Eher ergeben sich durch die Verschärfung von Grenzkontrollen eine Reihe unintendierter, dafür aber demokratisch und sicherheitspolitisch eher bedenkliche Nebeneffekte (Personenschmuggel, fehlende Rechte aufgrund illegalen Aufenthaltsstatus etc.). Alles in allem erscheint der Erfolg bisheriger Einwanderungspolitik bestenfalls fragwürdig. Die Herausgeberinnen plädieren dementsprechend auch für einen weniger restriktiven politischen Ansatz und verweisen stattdessen auf die Notwendigkeit, Migrationsbewegungen im globalen Rahmen stärker zu liberalisieren und entsprechende Ausgleichsmechanismen zwischen Herkunfts- und Zielländern zu schaffen.
Björn Wagner (BW)
Dipl.-Politologe, Doktorand und Lehrbeauftragter, Universität Jena.
Rubrizierung: 2.263 | 2.64 | 3.5 | 4.42 Empfohlene Zitierweise: Björn Wagner, Rezension zu: Mechthild Baumann / Astrid Lorenz / Kerstin Rosenow (Hrsg.): Crossing and Controlling Borders. Opladen/Farmington Hills: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/34153-crossing-and-controlling-borders_40966, veröffentlicht am 27.01.2012. Buch-Nr.: 40966 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken