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Olga Gyarfasova / Karin Liebhart (Hrsg.)

Constructing and Communicating EUrope

Wien/Berlin: Lit 2014 (Cultural Patterns of Politics 2); 237 S.; 24,90 €; ISBN 978-3-643-90515-4
Dieser Sammelband ist im Rahmen des Forschungsprojekts „Cultural Patterns of the European Enlargement Process“ entstanden und versammelt neben einer Einleitung der beiden Herausgeberinnen neun Beiträge von Forscherinnen und Forschern von vornehmlich mittelosteuropäischen Universitäten. Insofern überrascht es kaum, dass hier vor allem Prozesse europäischer Kommunikation, Identitätsbildung und Erinnerungskultur in Ungarn, Polen, der Slowakei, der Tschechischen Republik, Slowenien und dem westlichen Balkan beleuchtet werden. Die Beiträge sind dabei – nicht zuletzt in sprachlicher und analytischer Hinsicht – von sehr unterschiedlicher Qualität. Besonderen Wert hat sicherlich der Beitrag von Daniela Chalániová. Sie geht – auch in methodisch innovativer Hinsicht – der Frage nach, welches Bild durch visuelle Darstellungen in den Qualitäts‑Printmedien verschiedener Mitgliedstaaten in den Jahren 2008 bis 2012 von Griechenland gezeichnet wurde und welche Schlussfolgerungen sich daraus für die europäische Identitätsbildung generieren lassen. Dabei kann sie mit ihrer Karikaturen‑Analyse aufzeigen, dass Griechenland innerhalb von Europa als das neue Andere auftritt. Interessanterweise werden in den untersuchten Cartoons stereotype und verunglimpfende Gegenüberstellungen meist so vorgenommen, dass den vermeintlich archaischen, arbeitsunwilligen und ökonomisch rückständigen Griechen vor allem nationale – und nicht so sehr europäische – Protagonisten des europäischen Krisenmanagements, wie zum Beispiel Angela Merkel als revolutionäre Marianne, Domina oder in Hitler‑Gestalt, gegenübergestellt werden. Vor diesem Hintergrund kommt Chalániová zu dem Schluss: „[T]he European Self is not formed clearly, but has to compete with a multitude of national Selves“ (47). Auch Karin Liebhart geht in ihrer Analyse der Frage nach, wie ausgewählte Mitgliedstaaten ihre jeweilige Ratspräsidentschaft diskursiv und visuell vermitteln und inwiefern dabei möglicherweise Gemeinsamkeiten bestehen. Im Ergebnis könne weder ein „typical Central European pattern of charing the Council“ (75) noch eine Zusammenarbeit dieser Staaten ausgemacht werden. Im Abschnitt zu den spezifischen Ausprägungen und Bedeutungen der Erinnerungskulturen in einzelnen mittelosteuropäischen Staaten als Ausdruck einer möglichen Europäisierung sind vor allem die Beiträge von Aline Sierp, Ljiljana Radonic und Boglárka Koller hervorzuheben. In vergleichenden Diskurs‑ und Narrationsanalysen wird außerdem nach Ansätzen zu einer gemeinsamen europäischen Erinnerungskultur und einer Europäisierung des Holocausts gefragt.
Henrik Scheller (HS)
Dr. phil., Dipl.-Politologe, wiss. Mitarbeiter, Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät, Lehrstuhl Politik und Regieren in Deutschland und Europa, Universität Potsdam.
Rubrizierung: 3.13.43.72.61 Empfohlene Zitierweise: Henrik Scheller, Rezension zu: Olga Gyarfasova / Karin Liebhart (Hrsg.): Constructing and Communicating EUrope Wien/Berlin: 2014, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/37596-constructing-and-communicating-europe_46040, veröffentlicht am 25.09.2014. Buch-Nr.: 46040 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken