Philip Bedall

Climate Justice vs. Klimaneoliberalismus? Klimadiskurse im Spannungsfeld von Hegemonie und Gegen-Hegemonie

Bielefeld: transcript Verlag 2014 (Sozialtheorie); XVII, 439 S.; kart., 39,99 €; ISBN 978-3-8376-2806-7
Diss. Kassel; Begutachtung: A. Brunnengräber, C. Görg. – Der Klimawandel als Folge menschenverursachter globaler Erwärmung lässt sich als weit mehr als ein physikalisch‑chemischer Prozess beschreiben. Für Philip Bedall handelt es sich angesichts der ungleichen Verteilung der Klimafolgen zwischen verantwortlichen Emissionsstaaten und den am stärksten betroffenen Staaten des globalen Südens um den „Ausdruck einer Krise des Sozialen […] – einer Krise der Struktur sedimentierter und routinierter Praktiken“ (2). Unter Rückgriff auf Gramscis Überlegungen zu hegemonialen Konsensen und ihrer Entstehung in und durch Zivilgesellschaften will Bedall daher die diskursive Reproduktion der neoliberalen Hegemonie im Sinne eines „Hegemonialen Projekts der Neoliberalisierung des Klimas“ (129) im Bereich der Global Climate Governance analysieren. Dass zu diesen Hegemonien auch Gegenentwürfe existieren müssten, ist die Annahme, die den Kern seiner Untersuchung bildet. Ihm geht es vor allem darum, zu erklären, wie es im Rahmen diskursiver Prozesse zu ihrer Marginalisierung kommt. Seine Aufmerksamkeit gilt dabei der Climate Justice. Sie beziehe sich auf „eine umfassende Transformation der Gesellschaft, die mit der Überwindung der kapitalistischen Wirtschaftsordnung, der Gewährleistung demokratischer Rechte und Gerechtigkeit zwischen globalem Norden und globalem Süden einhergeht“ (186). Das untersuchte Akteursfeld umfasst transnationale soziale Bewegungen und NGOs, die allerdings auf der Grundlage einer Akteursdefinition zugänglich gemacht werden, die auf einer poststrukturalistischen Differenzierung zwischen herrschaftskonformen (affirmativen) und herrschaftskritischen Akteuren beruht. Auf der Basis der diskurstheoretischen Hegemonietheorie Mouffes und Laclaus führt Bedall seine empirische Arbeit mittels eines „narrativ‑analytische[n] Verfahren[s]“ (213) durch. Das wird zur Auswertung von teil‑narrativen Interviews genutzt. Diese hat der Autor mit Mitgliedern unterschiedlicher Klimagruppen geführt, die im Rahmen des Kopenhagener Klimagipfels von 2009 aktiv waren. Die zu Beginn der Untersuchung aufgeworfenen Fragen, inwiefern es im Kontext des Gipfels zu der Herausbildung eines gegenhegemonialen Projekts und Verbreitung einer Climate‑Justice‑Programmatik gekommen ist, werden positiv beantwortet. Die Frage der Relevanz dieses gegenhegemonialen Projekts beantwortet Bedall allerdings vorsichtiger. Zwar habe in der Global Climate Governance „die Auseinandersetzung um einen Post‑Neoliberalismus begonnen“ (364); klare Konturen hätten sich hierbei allerdings noch nicht abgezeichnet.
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Rubrizierung: 4.454.32.22.22 Empfohlene Zitierweise: Christian Patz, Rezension zu: Philip Bedall: Climate Justice vs. Klimaneoliberalismus? Bielefeld: 2014, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/38074-climate-justice-vs-klimaneoliberalismus_46281, veröffentlicht am 12.02.2015. Buch-Nr.: 46281 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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