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Jürgen Bellers / Markus Porsche-Ludwig (Hrsg.)

Christenverfolgung in islamischen Ländern

Berlin: Lit 2011; 163 S.; 19,90 €; ISBN 978-3-643-11235-4
„Seine Finger waren bis auf die Knochen aufgeschnitten. Es ist offensichtlich, dass ihm diese Wunden durch Folter beigebracht wurden“ (76). Michael Mannheimer zitiert in seinem Beitrag über Christenverfolgung in der Türkei einen türkischen Arzt, der das Martyrium der Mitarbeiter des christlichen Zirve-Verlages vor ihrem Tod beschreibt. Die im April 2007 in der Türkei verübten Morde sind nur ein Beispiel für die zahlreichen in dem Band beschriebenen und mit unter die Haut gehenden Bildern dokumentierten oft sehr grausamen Fälle von Christenverfolgung. Mannheimer bedauert, dass sich in der Türkei heute nur noch 100.000 Menschen zu ihren christlichen Wurzeln bekennen. Selbst diese kleine Gruppe sei ähnlich der christlichen Minderheiten in anderen islamischen Staaten bedroht und in ihrer Religionsausübung beschränkt. Die Diskriminierung von Christen in der arabischen Welt ist nach Auffassung der Autoren im Kernland des Islams Saudi-Arabien am stärksten ausgeprägt. Sie sehen daher im Koran, in dem an 200 Stellen zur Verfolgung oder zum Mord von Ungläubigen aufrufen wird, die tiefere Ursache der Feindschaft von Muslimen gegenüber Andersgläubigen. Darüber hinaus werden Andersgläubige an weiteren 1.800 Stellen diffamiert und Muslimen die Freundschaft mit Christen untersagt. Vor diesem Hintergrund glauben die Autoren nicht an ein unbefangenes Zusammenleben von Muslimen und Christen. Mannheimer verweist auf Ergebnisse eines Modellversuchs an Berliner Schulen, bei dem sich nach Einführung des Islamunterrichts muslimische Schüler von ihren christlichen Mitschülern distanzierten. Nach Angaben der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte handelt es sich bei 80 Prozent aller religiös Verfolgten um Christen. Als Antwort auf dieses Problem fordern Bellers und Porsche-Ludwig eine Durchsetzung der Religionsfreiheit im Rahmen des allgemeinen Kampfes für die Menschenrechte. Ferner sollte die Entwicklungshilfe an deren Einhaltung geknüpft und Staaten, die Christen verfolgten, mit internationalen Sanktionen belegt werden.
Marinke Gindullis (MG)
Politikwissenschaftlerin.
Rubrizierung: 2.23 | 2.25 | 2.63 | 2.67 | 2.68 Empfohlene Zitierweise: Marinke Gindullis, Rezension zu: Jürgen Bellers / Markus Porsche-Ludwig (Hrsg.): Christenverfolgung in islamischen Ländern Berlin: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/34031-christenverfolgung-in-islamischen-laendern_40788, veröffentlicht am 25.08.2011. Buch-Nr.: 40788 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken