Kai Burkhardt (Hrsg.)

Carl Schmitt und die Öffentlichkeit. Briefwechsel mit Journalisten, Publizisten und Verlegern aus den Jahren 1923 bis 1983. Kommentiert und eingeleitet von Kai Burkhardt

Berlin: Duncker & Humblot 2013; 234 S.; 33,90 €; ISBN 978-3-428-14092-3
Carl Schmitt erweist sich auch drei Jahrzehnte nach seinem Tode nicht nur deshalb als weiterhin (denk‑)anstößig, weil und soweit er weiterführende (zustimmende und kritische) Literaturstimmen provoziert. Er erscheint auch als erstaunlich produktiver Autor. Die Neuerscheinungen betreffen dabei keineswegs nur formale Neuauflagen älterer, schwer zugänglicher oder vergriffener Werke, sondern umfassen namentlich im Bereich der Tagebücher und der Briefwechsel auch bislang tatsächlich Unveröffentlichtes. Der Band steht zwischen diesen beiden Varianten, denn einige der hier aufgenommenen Briefe sind schon aus anderen Kontexten bekannt, andere dürften hier erstmals der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Die Rechtfertigung für die Zusammenstellung liefert dabei der in einer längeren Einleitung erläuterte Versuch, über die Korrespondenz mit einer bestimmten Schicht von Publizisten in einem weiteren, journalistischen Sinne des Begriffs Schmitts Verhältnis zur Öffentlichkeit und deren Bedeutung für sein Werk zu erhellen. So spannend dabei die Ausgangsfrage ist, inwieweit Letzteres über die (positive oder negative) Rezeption namentlich durch Habermas und Koselleck auch aktuelle Öffentlichkeitsverständnisse beeinflusst, so wenig überzeugend ist die konkrete Umsetzung. Die Einleitung enthält nicht nur bedenkliche apologetische Tendenzen, sondern leider auch einseitige Lesarten und einige Ungenauigkeiten. Sie ist zudem relativ unklar strukturiert, wenig ziel‑ und thesenorientiert und erzeugt so eher den Eindruck eines zu früh abgebrochenen Projekts denn einer gänzlich durchdachten Konzeption. Dementsprechend lassen sich auch den – nicht wirklich überzeugend edierten – Briefen zwar (für entsprechend prädisponierte und vorinformierte Leser) durchaus interessante Einzelaspekte entnehmen, eine konsistente Gesamtdarstellung oder auch nur überzeugende Einblicke in ein spezifisches Entwicklungskonzept liefern sie indes nicht.
Steffen Augsberg (AU)
Prof. Dr., Professur Öffentliches Recht, Justus-Liebig-Universität Gießen.
Rubrizierung: 5.46 | 2.31 Empfohlene Zitierweise: Steffen Augsberg, Rezension zu: Kai Burkhardt (Hrsg.): Carl Schmitt und die Öffentlichkeit. Berlin: 2013, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/36412-carl-schmitt-und-die-oeffentlichkeit_44490, veröffentlicht am 14.11.2013. Buch-Nr.: 44490 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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