Skip to main content
Thomas Meyer / Udo Vorholt (Hrsg.)

Bildungsgerechtigkeit als politische Aufgabe

Bochum: projektverlag 2011 (Dortmunder politisch-philosophische Diskurse 9); 115 S.; 11,- €; ISBN 978-3-89733-238-6
In diesem Band werden sozialphilosophische und politikwissenschaftliche Ansichten zum Thema Bildungsgerechtigkeit zusammengeführt – er dokumentiert die achte Tagung der Dortmunder politisch-philosophischen Diskurse. Im Mittelpunkt der meisten Beiträge stehen begriffliche Betrachtungen und kategoriale Differenzierungen. Dabei wird insgesamt deutlich, dass sich die Frage, was Bildungsgerechtigkeit konkret bedeutet, kaum beantworten lässt. Lothar Wigger erörtert beispielsweise, wie in der öffentlichen Debatte über Fragen von Bildung und Gerechtigkeit der Begriff der Chancengleichheit durch den der Bildungsgerechtigkeit abgelöst wurde. Er stellt mit der Verteilungsgerechtigkeit, der Teilhabegerechtigkeit und der Anerkennungsgerechtigkeit drei Konzeptionen von Bildungsgerechtigkeit heraus. Da sie jeweils verschiedene Perspektiven auf das Bildungssystem einnehmen, sei keine für sich allein zur Problemlösung geeignet. Zwei Beiträge sind besonderen Problematiken im Bildungssystem gewidmet: Markus Dederich befasst sich aus gerechtigkeitstheoretischer Sicht mit der Inklusion von Kindern und Jugendlichen mit Behinderung. Er zeigt auf, dass auch der Begriff der Inklusion uneinheitlich und heterogen verwendet und mit unterschiedlichen bildungspolitischen Konzepten verbunden ist. Anforderungen an eine verbesserte Integration von Menschen mit Migrationshintergrund formulieren Yasemin Karakaşouğlu und Ursula Neumann. Eine besondere Bedeutung schreiben sie weniger der sprachlichen Bildung der zugewanderten Schüler, sondern der interkulturellen Bildung der gesamten Gesellschaft zu. Udo Vorholt bietet einen historischen Rückblick auf die Bedeutung der Institution Schule, auf das deutsche Schulsystem und die jüngsten Schulreformen in der Bundesrepublik. Zusätzlich zum Problem der Integration von Zuwanderern und Menschen mit Behinderung sieht Vorholt als weitere Herausforderungen die Angleichung der unterschiedlichen Schulsysteme der Bundesländer sowie den Wandel von der Halbtags- zur Ganztagsschule. Abschließend führt er verschiedene notwendige Kompetenzen (z. B. Medien-, Lern-, Urteils-, Sozial-, Zukunftskompetenz) als Elemente eines zeitgemäßen Bildungsbegriffs auf und gelangt zu der Schlussfolgerung: „Ein nach den Kriterien sozialer Gerechtigkeit orientiertes Schulsystem darf die Kinder und Jugendlichen nicht in die Gesellschaft einüben oder hineinführen, sondern sollte sie im Gegenteil aus der bestehenden Gesellschaft herausführen.“ (109)
Anke Rösener (AR)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 5.42 | 2.343 | 2.23 Empfohlene Zitierweise: Anke Rösener, Rezension zu: Thomas Meyer / Udo Vorholt (Hrsg.): Bildungsgerechtigkeit als politische Aufgabe Bochum: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/34881-bildungsgerechtigkeit-als-politische-aufgabe_41931, veröffentlicht am 16.05.2012. Buch-Nr.: 41931 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken