Skip to main content
Claudia Brunner / Josefine Scherling (Hrsg.)

Bildung, Menschenrechte, Universität. Menschenrechtsbildung an Hochschulen im Wandel als gesellschaftliche Herausforderung

Klagenfurt/Celovec: Drava 2012 (Jahrbuch Friedenskultur 2012); 309 S.; brosch., 28,80 €; ISBN 978-3-85435-687-5
Die Herausgeberinnen verbinden die Titelthemen Bildung, Menschenrechte und Universität durch die Fragen, ob und in welcher Form Bildung ein Menschenrecht ist und inwiefern die Universität einen geeigneten Ort für Kritik und Reflexion darstellt, an dem Menschenrechtsbildung verankert werden soll. Die Stärke des in fünf Teile gegliederten Bandes ist, dass sowohl affirmative als auch kritische Stimmen gegenüber Menschenrechten und der Universität als Bildungsort zu Wort kommen. Auf der affirmativen Seite fordert Herausgeberin Claudia Brunner in ihrem einleitenden Artikel, dass „Bildung im Allgemeinen wie auch Menschenrechtsbildung im Besonderen ein common good, also eine Angelegenheit der Öffentlichkeit und für alle, bleibt oder wird“. Es gelte daher eine „Menschenrechts‑Universität“ (14) zu schaffen. Die Mitherausgeberin Josefine Scherling unterstützt Brunners Forderung in ihrem Beitrag als „konkrete Utopie“ (27). Skeptisch sehen hingegen andere Autor_innen diese Position. Gertrud Brücher ist der Meinung, dass an Universitäten inzwischen das Primat der Ausbildung zunehmend das der Bildung verdränge. Diese Entwicklung, bei der die Verwertung des Wissens im Mittelpunkt stehe, könne nicht mehr rückgängig gemacht werden. Auch Ingolf Erler hält die Universität nicht für den richtigen Ort einer Menschenrechtsbildung. Durch vielfache Exklusionsprozesse aufgrund von symbolischem Kapital, Habitus und ökonomischen Verhältnissen trete schon vor der Universitätsbildung eine Selektion ein, die zur Elitenbildung führe. Andreas Keller und Klemens Himpele belegen diesen bekannten Mangel an Chancengleichheit im deutschen Bildungssystem dann auch mit empirischen Daten. Noch grundlegender ist die Kritik von Monika Mayrhofer, die auf der Basis von postkolonialer und feministischer Sicht die Idee von universalen Menschenrechten, wie sie innerhalb des liberalen Paradigmas verstanden wird, ablehnt. Stattdessen fordert sie, dass Menschenrechts‑ und Bildungsfragen in lokalen Kontexten repolitisiert werden. Dem Fazit von Brunner ist am Ende wohl zuzustimmen: Die Universität ist nicht der einzige Ort für Veränderungen zu mehr sozialer Gerechtigkeit und Freiheit, aber trotz aller problematischen Entwicklung bietet sie immer noch vielfache Freiräume.
Jan Achim Richter (JAR)
Dipl.-Politologe, Doktorand, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.263 | 2.4 | 4.3 | 4.42 Empfohlene Zitierweise: Jan Achim Richter, Rezension zu: Claudia Brunner / Josefine Scherling (Hrsg.): Bildung, Menschenrechte, Universität. Klagenfurt/Celovec: 2012, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/35768-bildung-menschenrechte-universitaet_43383, veröffentlicht am 23.05.2013. Buch-Nr.: 43383 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken