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Anke Clasen

Bildung als Statussymbol. Hauptschule und Schulstrukturen nach PISA

Weinheim/Basel: Beltz Juventa 2014; 341 S.; 39,95 €; ISBN 978-3-7799-2956-7
Humanwiss. Diss. Köln; Begutachtung: C. Butterwegge, K. Reich. – Die Hauptschule – die unterste Ebene des mehrgliedrigen Sekundarschulsystems in der Bundesrepublik – stand lange Zeit im Kreuzfeuer der öffentlichen Kritik: Sie sei zu einer Restschule geworden und ihre Absolventen seien auf dem Arbeitsmarkt relativ chancenlos, hieß es. Um das Problem zu bewältigen, haben die Bundesländer Schulstrukturreformen in Gang gesetzt, in deren Folge die Hauptschule abgeschafft und eine zweigliedrige Schulstruktur etabliert wurde. Diese Entwicklung betrachtet Anke Clasen mit Skepsis, denn an der im internationalen Vergleich „fast einzigartigen frühen Aufteilung der Kinder auf hierarchisch gegliederte Schulformen“ ändere sich nur wenig. Den Kindern der „Bildungsverlierer von heute“ blieben Bildungserfolge weiterhin „versagt“ (29), auch wenn die Hauptschule nicht mehr in ihrer bisherigen Form existiere, so formuliert die Autorin ihre erste These. Dass die schärfste Opposition gegen die sogenannte Einheitsschule und damit gegen egalitäre Schulstrukturreformen nicht von den Unternehmen, sondern von einer breiten Mittelschichtsbewegung geäußert werde, die die gymnasiale Schulbildung ihres Nachwuchses als ein geeignetes Mittel zur sozialen Statusverteidigung begreife, ist die zweite These. Das Gymnasium erfreue sich eines so großen Zulaufs, dass inzwischen von einer „‚Gesamtschule der Mittelschicht‘“ (290) die Rede sei. Die vermehrte Einrichtung von Ganztagsschulen sowie die Abschaffung der Hauptschule hält Clasen schließlich zwar als Indikatoren dafür, dass der PISA‑Schock immerhin zu bemerkenswerten Reformen der Schulstruktur geführt habe. Dennoch hänge der Bildungserfolg in der Bundesrepublik weiterhin zu stark von der sozialen Herkunft ab. Reformen der Schulstruktur, so daher die dritte These, seien zwar eine notwendige, aber keine hinreichende Voraussetzung für die Verringerung sozialer Ungleichheit. Die Reproduktion sozialer Ungleichheit durch das Schulsystem könne nur dann erfolgreich unterbunden werden, wenn sich die gesellschaftlichen Verhältnisse insgesamt änderten.
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Rubrizierung: 2.343 Empfohlene Zitierweise: Sabine Steppat, Rezension zu: Anke Clasen: Bildung als Statussymbol. Weinheim/Basel: 2014, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/38536-bildung-als-statussymbol_46246, veröffentlicht am 18.06.2015. Buch-Nr.: 46246 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken