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Judith Rosner

Asylsuchende Frauen. Neues Asylrecht und Lagerpolitik in der Bundesrepublik Deutschland

Frankfurt a. M.: VAS 1996; 131 S.; 28,- DM; ISBN 3-88864-203-5
Ausgangspunkt der Studie ist die Tatsache, daß Frauen und Kinder weltweit mit achtzig Prozent das Gros der Flüchtlinge ausmachen, jedoch der Frauenanteil unter den in den westlichen Industrieländern Asylsuchenden oder gar denjenigen, die einen legalen Aufenthaltsstatus erhalten, äußerst gering ist. Nach einer einleitenden Darstellung von Fluchtgründen und -umständen wendet sich die Autorin ihren eigentlichen Schwerpunkten zu. Diese bilden zum einen die Auswirkungen der Asylrechtsänderung von 1993 sowie die frauenspezifischen Hindernisse im Asylverfahren, die infolgedessen eine weitere Verschärfung erfuhren. Zum anderen widmet sich die Autorin der im Zuge des neuen Asylrechts verstärkt exekutierten Massenunterbringung in sogenannten Aufnahmeeinrichtungen und Gemeinschaftsunterkünften, ihren gesetzlichen Grundlagen und gesellschaftspolitischen Funktionen. Welche Implikationen damit verbunden sind - nicht nur generell weitere Stigmatisierung und Diskriminierung, sondern für Frauen darüber hinaus oftmals Schutzlosigkeit gegenüber Aggressionen und Gewalt von Männern - zeigt sich plastisch in der anschließenden Schilderung der Lebenssituation weiblicher Asylsuchender am Beispiel hessischer Flüchtlingslager. Berücksichtigt wurden hier Interviews sowohl mit Flüchtlingsfrauen als auch in der Flüchtlingsarbeit Tätigen.
Julia Schmidt-Häuer (JSH)
Dr., Referentin im wissenschaftlichen Dienst der SPD-Bürgerschaftsfraktion in Bremen.
Rubrizierung: 2.343 | 2.36 Empfohlene Zitierweise: Julia Schmidt-Häuer, Rezension zu: Judith Rosner: Asylsuchende Frauen. Frankfurt a. M.: 1996, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/1874-asylsuchende-frauen_2192, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 2192 Rezension drucken