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Jörg Scheller

Arnold Schwarzenegger oder Die Kunst, ein Leben zu stemmen

Stuttgart: Franz Steiner Verlag 2012; III, 251 S.; ISBN 978-3-515-10106-6
Kunstwiss. Diss. Karlsruhe; Begutachtung: B. Wyss, W. Ullrich. – Marshall McLuhan hatte eher an Zeitungen und das Fernsehen gedacht. Scheller aber dreht die Aussage „the medium is the message“ weiter bis zum Anschlag, für Arnold Schwarzenegger stellt er fest: „Die Person ist das Programm.“ (143) In dieser auch für Politikwissenschaftler mit Gewinn zu lesenden Studie wird der Bodybuilder, Filmdarsteller und kalifornische Gouverneur als Kulminationspunkt der modernen Gesellschaft herausgearbeitet – einer Gesellschaft, in der die Grenzen zwischen Kunst, Film und Politik bis zur Unkenntlichkeit verwischt sind. Thematisch geordnet in die Sphären Kunst, Mythos, Macht und Vita und angefangen mit einer Einordnung des Bodybuildings als (Körper-)Kunst, zerlegt Scheller Schwarzenegger „in seine Einzelteile“ (248). Nachgezeichnet wird – unter eher locker eingesetzten Hinweisen aus der Philosophie – die Herausbildung seiner mehreren (fiktiven) Körper und seines Mythos sowie die eigene Ironisierung. Schwarzenegger erscheint als lebendes Gesamtkunstwerk, hat er doch jede Änderung in seiner Biografie in Übereinstimmung mit sich selbst und seinem öffentlichen Bild vollzogen – auch den Wechsel in die Politik, eingebunden in einen spezifischen Kontext: „Dass Schwarzenegger Gouverneur werden konnte, ist ohne den demokratischen Universalismus der Popkultur schwer vorstellbar“ (112). Scheller beschäftigt sich außerdem mit dem Vorwurf, Schwarzenegger repräsentiere rechtes Gedankengut. Er kann dies vollständig widerlegen, hat Schwarzenegger doch immer Wertvorstellungen vertreten und selbst gelebt, die an den modernen Bedürfnissen und Wünschen des Individuums ausgerichtet sind. Seine liberalen Einstellungen etwa gegenüber Homosexuellen und Künstlern werden ebenso belegt wie seine progressive Umweltpolitik als Gouverneur. Das Fazit seiner politischen Arbeit allerdings fällt insgesamt sehr verhalten aus, Schwarzenegger konnte am Ende seiner Amtszeit als Gouverneur keine positive Bilanz vorlegen – Demokraten und Republikaner sind weiterhin bis hin zum Blockadeverhalten zerstritten, Umwelt wie Finanzen ließen sich nicht im kalifornischen Alleingang sanieren. „Schwarzeneggers politisches Vermächtnis ist in erster Linie der mit dem amerikanischen Traum konforme Beweis, dass ein Quereinsteiger wie er möglich ist, ohne dass das politische System kollabiert.“ (204)
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.1 | 2.64 Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Jörg Scheller: Arnold Schwarzenegger oder Die Kunst, ein Leben zu stemmen Stuttgart: 2012, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/9188-arnold-schwarzenegger-oder-die-kunst-ein-leben-zu-stemmen_42744, veröffentlicht am 04.10.2012. Buch-Nr.: 42744 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken