Parteien

Jenni Brichzin: Politische Arbeit in Parlamenten. Eine ethnografische Studie zur kulturellen Produktion im politischen Feld

Jenni Brichzin

Politische Arbeit in Parlamenten. Eine ethnografische Studie zur kulturellen Produktion im politischen Feld

Baden-Baden, Nomos 2016

Die Qualität politischen Handelns hängt entscheidend vom Tun der politischen Akteure ab. Während viele Parlamentarier*innen ein positives Bild ihres Berufsstandes zeichnen, betrachtet die Öffentlichkeit das politische Treiben mitunter kritisch. Jenni Brichzin untersucht die Tätigkeiten von Abgeordneten deshalb detailliert, acht von ihnen hat sie in ihrem Arbeitsalltag begleitet. Die ethnografisch-rekonstruktive Herangehensweise ermöglicht es ihr dabei, eine nur schwer zugängliche soziale Sphäre analytisch zu durchdringen und eine komplexe Sicht auf die Parlamentsarbeit einzunehmen.

Guillermo Cordero / Xavier Coller (Hrsg.): Democratizing Candidate Selection. New Methods, Old Receipts?

Guillermo Cordero / Xavier Coller (Hrsg.)

Democratizing Candidate Selection. New Methods, Old Receipts?

Basingstoke, Palgrave Macmillan 2018

Zu den Folgen der europäischen Währungs- und Staatsschuldenkrise zählt, dass sich neue Parteien gebildet haben. In diesem Band wird gefragt, ob deren Abgrenzung zu den etablierten Parteien sich auch in den Verfahren spiegelt, mit denen sie ihre Parlamentskandidaten auswählen – womit die innerparteiliche Demokratie in den Fokus rückt. Es zeigt sich, dass etwa Podemos, MoVimento 5 Stelle oder NEOS zumeist auf im Prinzip erprobte Verfahren zurückgreifen, bei denen die Parteiführungen Einfluss ausüben. In weiteren Beiträgen werden die veränderten Rahmenbedingungen für die Aufstellung von Kandidaten diskutiert.

Paul Kevenhörster / Benjamin Laag: Strategie und Taktik. Ein Leitfaden für das politische Überleben

Paul Kevenhörster / Benjamin Laag

Strategie und Taktik. Ein Leitfaden für das politische Überleben

Baden-Baden, Nomos Verlag 2018

Dem Anspruch, durch Rückgriff auf Klassiker wie Max Weber, Niccolò Machiavelli oder Sun Tsu jungen Politiker*innen einen Leitfanden für ihr politisches Handeln anzubieten, wird dieses von Paul Kevenhörster und Benjamin Laag herausgegebene Büchlein zum Bedauern unseres Rezensenten Michael Rohschürmann nicht gerecht. Die Verkopplung der Klassikertexte mit Beispielen aus der deutschen Politik sei zu wenig aussagekräftig, um daraus Regeln ableiten zu können. Es bleibe also doch nur die parteiinterne Ochsentour, um praktisch zu lernen, was hier theoretisch nicht vermittelt werden konnte.

Ursula Münch / Heinrich Oberreuter / Jörg Siegmund (Hrsg.): Komplexe Farbenlehre. Perspektiven des deutschen Parteiensystems im Kontext der Bundestagswahl 2017

Ursula Münch / Heinrich Oberreuter / Jörg Siegmund (Hrsg.)

Komplexe Farbenlehre. Perspektiven des deutschen Parteiensystems im Kontext der Bundestagswahl 2017

Frankfurt a. M./New York,
Campus Verlag 2021

Dieser Tagungsband liefere Anstöße für eine Diskussion über die Zukunftsperspektiven des deutschen Parteiensystems nach den Bundestagswahlen 2017, schreibt Rezensent Oscar Gabriel. So werde unter anderem das Wahlergebnis analysiert, etwa die Tatsache, dass die Parteien der Mitte geschwächt, die Flügelparteien hingegen und der Ost-West-Gegensatz im Wählerverhalten gestärkt worden seien. Gefragt werde nach den Gründen des langwierigen Regierungsbildungsprozesses. Gabriel moniert die Heterogenität der Beiträge, es fehle eine schlüssige Konzeption, die alle Autor*innen hätten umsetzen können. 

Carsten Koschmieder (Hrsg.): Parteien, Parteiensysteme und politische Orientierungen. Aktuelle Beiträge der Parteienforschung

Carsten Koschmieder (Hrsg.)

Parteien, Parteiensysteme und politische Orientierungen. Aktuelle Beiträge der Parteienforschung

Wiesbaden, VS Verlag für Sozialwissenschaften 2017

Die Parteienforschung ist das zentrale Sujet Oskar Niedermayers. Sein langjähriges Wirken an der FU Berlin haben Freunde und Weggefährten anlässlich seines 65. Geburtstags mit einer Festschrift gewürdigt. Sie ist so etwas wie eine Bestandsaufnahme dieser politikwissenschaftlichen Teildisziplin, in der Niedermayer zahlreiche Akzente gesetzt hat. Allerdings zeigen die Beiträge, dass plausible Ansätze nach gewisser Zeit unter Umständen wieder an Erklärungskraft verlieren. Die Parteienforschung sei aufgefordert, so folgert Stephan Klecha, Entwicklungstrends nachhaltiger zu beschreiben.

Tom Mannewitz (Hrsg.): Die Demokratie und ihre Defekte. Analysen und Reformvorschläge

Tom Mannewitz (Hrsg.)

Die Demokratie und ihre Defekte.
Analysen und Reformvorschläge

Wiesbaden, VS Verlag für Sozialwissenschaften

Zwar gibt es gegenwärtig eine Vielzahl von Demokratien, aber zunehmend solche, die von der Forschung eher als „defekte“ oder „unvollkommene“ Ausprägungen dieser Herrschaftsform verstanden werden. Hiervon ausgehend befassen sich die Autoren des Bandes mit den systemimmanenten Schwächen und Fehlern, die Demokratien anhaften können. Auf die Frage nach möglichen Reformen finden sich kreative Vorschläge wie die Einsetzung von Volkstribunen oder mit Vetomacht ausgestatteten Zukunftsräten. Auch wird der schon klassische Rat gegeben, stärker auf Konsens denn auf Konkurrenz zu setzen.

Karl-Rudolf Korte / Dennis Michels / Jan Schoofs / Niko Switek / Kristina Weissenbach: Parteiendemokratie in Bewegung. Organisations- und Entscheidungsmuster der deutschen Parteien im Vergleich

Karl-Rudolf Korte / Dennis Michels / Jan Schoofs / Niko Switek / Kristina Weissenbach

Parteiendemokratie in Bewegung. Organisations- und Entscheidungsmuster der deutschen Parteien im Vergleich

Baden-Baden, Nomos 2018 (Die politischen Parteien der Bundesrepublik Deutschland)

Der Band „Parteiendemokratie in Bewegung“ erscheint zum Abschluss der Reihe „Die politischen Parteien der Bundesrepublik Deutschland“. Die Einzelbefunde werden verknüpft und dabei wird noch einmal im Überblick ein präziser Blick auf das Innenleben und das Umfeld von Parteien geworfen. Die Autor*innen wählen dafür einen mikropolitischen Ansatz und brechen dabei durch viele Beispiele die abstrakten theoretischen Argumentationen auf alltagsweltliche Erfahrungen herunter. Allerdings fehlen Reihe wie Band eine Analyse der Entscheidungsfindung der AfD, wollte diese doch alles anders machen.

Lars Holtkamp: Der Parteienstreit. Probleme und Reformen der Parteiendemokratie

Lars Holtkamp

Der Parteienstreit. Probleme und Reformen der Parteiendemokratie

Baden-Baden, Nomos Verlag 2018

Das an eine breite Öffentlichkeit gerichtete Buch bietet einen kritischen Blick auf die Parteiendemokratie in Deutschland. Lars Holtkamp entwirft dabei einen parteipolitischen Repräsentationszyklus und identifiziert in allen Phasen Schwachstellen: So schwinde die gesellschaftliche Verankerung der Parteien, der Lobbyismus erstarke und die Fähigkeit zur politischen Steuerung nehme ab. Holtkamp wirft zudem der klassischen Parteienforschung eine weitgehende Kritiklosigkeit vor. Diesem Vorwurf aber mag Daniel Hellmann in seiner Rezension nicht folgen, zudem sei die empirische Anbindung der Thesen zu schwach.

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