Portal für Politikwissenschaft

Die Verantwortung der Eliten

Eike Bohlken

Die Verantwortung der Eliten. Eine Theorie der Gemeinwohlpflichten

Frankfurt a. M./New York: Campus Verlag 2011; 445 S.; 39,90 €; ISBN 978-3-593-39380-3
Philosoph. Habilitationsschrift Tübingen; Gutachter: O. Höffe. – Häufig ist in der Diskussion gesellschaftlicher Probleme vom Einfluss der Eliten die Rede. Doch wie lässt sich in einem demokratischen Gemeinwesen eine Elite kennzeichnen und welchen Einfluss kann sie tatsächlich ausüben? Welche Eliten braucht eine Demokratie? Zur Beantwortung dieser Fragen erörtert Bohlken einleitend den Begriff Elite aus soziologischer und politikwissenschaftlicher Perspektive. Hieran schließt sich ein thematischer Abschnitt zum Gemeinwohl an, zu welchem die Eliten in einer demokratischen Gemeinschaft im besten Falle beitragen sollten. Hier zeige sich die historische Bedeutung des Gemeinwohlgedankens als tragende Säule politischer Ethik, indem sie eine „legitimierende“, eine „limitierend-regulative“ und eine „integrative“ (159) Funktion innerhalb des Gemeinwesens übernehme, so Bohlken. Zur Einhaltung des Gemeinwohls seien sogenannte Gemeinwohlpflichten notwendig, die in ihrem Charakter in einer Zwischenstellung zwischen Rechts- und Tugendpflichten definiert seien. Diese seien somit deutlich geringer im Anspruch als reine Tugendpflichten, da sie auch aus der Motivation des Eigeninteresses heraus betrieben werden könnten. So führt der Autor etwa das Engagement von Wirtschaftsunternehmen im Umweltschutz als Beispiel an. Dieses könne durchaus aus dem Eigeninteresse des Imagegewinns heraus betrieben werden, diene aber dennoch dem Gemeinwohl. Nach diesen Überlegungen werden mögliche Gemeinwohlpflichten politischer, wirtschaftlicher und geistig-kultureller Eliten thematisiert. In diesem Zusammenhang ist der Unterschied zwischen basalen Gemeinwohlpflichten, die universale Grundrechte garantieren, und melioren Gemeinwohlpflichten, die die Offenheit des aktiven Gemeinwohlgedankens fördern, von Bedeutung. Letztlich erfolgt eine Vereinigung von Eigeninteressen und Gemeinwohlpflichten. Die symbiotische Orientierung an beiden Maßstäben, so das Fazit, kann eine verantwortungsvoll handelnde Elite begründen und erhalten.
Arne Arps (AA)
M. A., Doktorand der Politikwissenschaft, Universität Vechta.
Rubrizierung: 5.42 | 5.44 Empfohlene Zitierweise: Arne Arps, Rezension zu: Eike Bohlken: Die Verantwortung der Eliten. Frankfurt a. M./New York: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/9696-die-verantwortung-der-eliten_40635, veröffentlicht am 16.06.2011. Buch-Nr.: 40635 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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