Portal für Politikwissenschaft

Gender Trouble in der Bundeswehr

Cordula Dittmer

Gender Trouble in der Bundeswehr. Eine Studie zu Identitätskonstruktionen und Geschlechterordnungen unter besonderer Berücksichtigung von Auslandseinsätzen

Bielefeld: transcript 2009 (GenderStudies); 282 S.; kart., 28,80 €; ISBN 978-3-8376-1298-1
Diss. Marburg; Gutachter: M. Apelt, J.-R- Ahrens. – Ausgehend vom sogenannten Totenschädel-Skandal, ausgelöst von deutschen Soldaten in Afghanistan 2006, untersucht Dittmer Weiblichkeits- und Männlichkeitskonstruktionen in der Bundeswehr, insbesondere unter den Bedingungen des Auslandseinsatzes. Präzise und übersichtlich arbeitet sie die sicherheitspolitischen Rahmenbedingungen vom gewandelten Kriegsbild bis zur Mandatierung heraus. Überhaupt ist die Einführung ins Thema sehr gut aufbereitet. Sie basiert auf der Analyse militärischer Vorschriften, einiger Interviews sowie Medienberichten. Das Ergebnis ist jedoch nicht sonderlich überraschend: Nachgewiesen wird u. a. die „Retraditionalisierung von Genderordnung“ (246) in der Bundeswehr. Bezogen auf den Totenschädel-Skandal kommt Dittmer zu dem Schluss, dass dieser Vorfall bei Anwesenheit weiblicher Soldaten ebenfalls hätte geschehen können. Interessanterweise bezweifelt sie sogar, dass Soldatinnen derzeit „besser für bestimmte Aufgaben im Einsatz eingesetzt werden können als Männer“. Der Grund liege im übersteigerten Nachahmen eines durch zahlreiche Stereotype geprägten Männlichkeitsideals, um so Anerkennung als „guter Soldat“ (247) zu finden. Spezifikum dieses militärischen Männlichkeitsideals sei die Gleichzeitigkeit diametral auseinanderliegender Eigenschaften wie z. B. Härte und Verletzlichkeit. Auf diese Anforderungen könnten Soldatinnen nur durch die Ausprägung verschiedener Weiblichkeiten reagieren. Wiederum bleibt der Befund vorhersehbar, dass (Gender-)Identitätsstrategien angesichts des komplexeren Kriegsbildes ebenfalls anspruchsvoller und vielfältiger werden. So ist dem Schlusswort uneingeschränkt beizupflichten, in dem Dittmer die Notwendigkeit weiterer Forschungen zur soldatischen Selbstinszenierung auf breiterer Datenbasis unterstreicht.
Kieron Kleinert (KIK)
M. A., Historiker und Politikwissenschaftler, Offizier, Bundeswehr.
Rubrizierung: 2.36 | 2.324 | 4.21 Empfohlene Zitierweise: Kieron Kleinert, Rezension zu: Cordula Dittmer: Gender Trouble in der Bundeswehr. Bielefeld: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/9644-gender-trouble-in-der-bundeswehr_37577, veröffentlicht am 15.12.2009. Buch-Nr.: 37577 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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