Portal für Politikwissenschaft

Der souveräne Nationalstaat

Tobias Bevc / Matthias Oppermann (Hrsg.)

Der souveräne Nationalstaat. Das politische Denken Raymond Arons

Stuttgart: Franz Steiner Verlag 2012 (Staatsdiskurse 22); 228 S.; 43,- €; ISBN 978-3-515-10179-0
Vorgestellt wird in diesem Sammelband der in Deutschland zwar allseits geschätzte, aber hinsichtlich seines Werkes stark vernachlässigte französische Philosoph und Soziologe Raymond Aron. Zur Wiederaneignung seines Denkens wurden drei Themenblöcke gewählt: das Verhältnis von Staat und Individuum im Denken Arons, sein Platz in der Theorie der Internationalen Beziehungen sowie in der Tradition der politischen Philosophie. So diskutiert Arnd Küppers innerhalb des ersten Abschnitts den liberalen Denker Aron in Abgrenzung zum Werk Friedrich August von Hayeks. Er kommt zu dem Schluss, dass Aron den klassisch liberalen und damit negativen Freiheitsbegriff dann als unzureichend empfindet, wenn das Individuum nicht zugleich befähigt wird, diese Freiheit auch nutzen zu können. Das folge aus der Tatsache, so Küppers, dass Aron historisch argumentiere, er orientiere sich also nicht an einer kantianischen Prinzipienethik, sondern am aristotelischen Realismus. Insofern handele es sich bei Aron um einen konservativen Liberalen, der erkannt habe, dass der liberale Staat von einem sozialen Kapital zehre, das er selbst nicht garantieren könne. Interessant wäre hierbei gewesen, inwiefern Aron das von Böckenförde vorgetragene Diktum antizipiert. Carlo Masala macht in seinem Beitrag ebenso deutlich, dass Aron stark in der Geschichtswissenschaft verankert ist und sich hierdurch einer genauen Verortung im Kontext der Theorien der Internationalen Beziehungen entzieht. Ein wenig fremd, aber in der Sache durchaus gerechtfertigt, mutet Masalas Kritik an der zeitgenössischen Politikwissenschaft an, die sich in methodischen Fragestellungen verliere, anstatt die großen Fragen von Krieg und Frieden zu beleuchten. Tobias Bevc diskutiert schließlich Arons Denken im Rahmen kosmopolitischer Weltstaatskonzeptionen und macht dessen Skeptizismus gegen allzu optimistische Vorstellungen stark. Die Rolle von Macht und Gewalt dürfe eben nicht marginalisiert werden, wolle man eine realistische Einschätzung des Möglichen.
Lisa Koppusch (LK)
Studentin, Institut für Politikwissenschaft, Technische Universität Chemnitz.
Rubrizierung: 5.46 | 5.41 | 5.42 Empfohlene Zitierweise: Lisa Koppusch, Rezension zu: Tobias Bevc / Matthias Oppermann (Hrsg.): Der souveräne Nationalstaat. Stuttgart: 2012, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/9275-der-souveraene-nationalstaat_43265, veröffentlicht am 31.01.2013. Buch-Nr.: 43265 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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