Portal für Politikwissenschaft

Rechtsextremismus in Ostdeutschland

Hubertus Buchstein / Gudrun Heinrich (Hrsg.)

Rechtsextremismus in Ostdeutschland. Demokratie und Rechtsextremismus im ländlichen Raum

Schwalbach/Ts.: Wochenschau Verlag 2010; 537 S.; 49,80 €; ISBN 978-3-89974-578-8
Rechtsextremismus ist bei Weitem nicht nur ein Problem der neuen Bundesländer, wird aber dennoch besonders häufig mit Ostdeutschland assoziiert. Dies betrifft insbesondere den ländlichen Raum und ist neben aufsehenerregenden Gewalttaten und Wahlerfolgen extrem rechter Parteien nicht zuletzt der Tatsache geschuldet, dass die extreme Rechte hier gerade in manchen ländlichen Regionen deutlich wirkungsmächtiger ist als im Rest der Republik. Umso mehr erstaunt es angesichts der Fülle an Literatur über Rechtsextremismus in Deutschland, dass zwar teilweise Studien zu einzelnen Regionen oder Bundesländern existieren, eine umfassende, gesonderte Betrachtung der Situation im Osten Deutschlands bislang aber fehlt. Im Hinblick auf Titel und Umfang dieses Sammelbands könnte man vermuten, dieses Forschungsdesiderat wird nun gefüllt. Wer jedoch eine Antwort etwa auf die Frage erwartet, warum sich die extreme Rechte in Ostdeutschland insgesamt so dynamisch entwickelt hat, worin Unterschiede zu oder auch Gemeinsamkeiten etwa mit ländlichen Regionen Westdeutschlands bestehen, wird enttäuscht. Denn anstelle einer Bestandsaufnahme von Aktivitäten der extremen Rechten in Sachsen, Thüringen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern, einer Analyse von Ausgangsbedingungen oder auch vergleichender Betrachtungen beschränkt sich der Sammelband auf mehr als 500 Seiten auf Analysen der extremen Rechten in verschiedenen Regionen Mecklenburg-Vorpommerns und auf Sekundäranalysen „guter Praxis“ gegen Rechtsextremismus in verschiedenen Bundesländern. Sie sind fundiert und hilfreich sowohl für eine Einschätzung des Phänomens extreme Rechte in diesem Bundesland als auch für eine allgemeine Auseinandersetzung mit verschiedenen Ansätzen, wie dem Rechtsextremismus begegnet werden kann. Die hohen Erwartungen, die der Titel weckt, können sie jedoch nicht einlösen.
Jan Schedler (JS)
Diplom-Sozialwissenschaftler, wiss. Mitarbeiter, Fakultät für Sozialwissenschaft, Ruhr-Universität Bochum.
Rubrizierung: 2.372.325 Empfohlene Zitierweise: Jan Schedler, Rezension zu: Hubertus Buchstein / Gudrun Heinrich (Hrsg.): Rechtsextremismus in Ostdeutschland. Schwalbach/Ts.: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/9120-rechtsextremismus-in-ostdeutschland_38380, veröffentlicht am 31.05.2012. Buch-Nr.: 38380 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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