Portal für Politikwissenschaft

Genderbilder aus Ungarn

Erika Kegyes (Hrsg.)

Genderbilder aus Ungarn. Ergebnisse der ungarischen Genderforschung

Hamburg: Verlag Dr. Kovač 2008 (Gender Studies 10); 295 S.; 78,- €; ISBN 978-3-8300-3775-0
Die moderne ungarische Genderforschung sprengt die Grenzen der bisherigen soziologischen Frauenforschung des Landes, indem sie das Thema Frau und Mann im kulturellen und gesellschaftlichen Milieu Ungarns aufarbeitet. Die 21 Beiträge des Bandes sind unter Beibehaltung spezifischer ungarischer Sprachmerkmale ins Deutsche übersetzt worden. Im ersten Teil werden relevante soziologische Forschungsergebnisse präsentiert. Darauf aufbauend erfolgt ein Überblick über die linguistische Genderforschung. Abschließend wird der Sprachgebrauch in den Medien vor dem Hintergrund der aktuellen politischen Situation reflektiert. In den Beiträgen des dritten Teils wird die Genderfrage aus der Perspektive von Minderheiten analysiert – eine besondere Komponente der ungarischen Genderforschung. Hajnalka Kolompar untersucht die sprachlichen Tabus von Frauen am Beispiel der ethnischen Minderheit der Roma. Roma-Frauen sind von den Erwartungen an ihre Rolle her doppelt belastet. Einerseits müssen sie den gesellschaftlichen Vorstellungen der Mehrheitsgesellschaft entsprechen, andererseits haben sie sich aber auch an die traditionellen Verhaltenskodexe der Roma-Gemeinschaft zu halten. Beide Kulturen zwingen ihnen eine untergeordnete Position auf. Diese schlägt sich im Sprachgebrauch der „Romnyi“ nieder. Kolompar erkennt, dass eine „Romnyi“ bestimmte Sprachtabus nicht verletzen darf. In bestimmten Situationen dürfe sie weder sprechen noch angesprochen werden. Ihr Schweigen sei somit ein wichtiger Bestandteil der traditionellen Roma-Kultur und Ausdruck ihrer Machtlosigkeit. Selbst die Bezeichnungen der von qualifizierten Roma-Frauen ausgeübten Berufe fänden keinen Eingang in die Romani-Umgangssprache. Die Ursache für diesen Befund sei vor allem darin zu sehen, dass sie nicht der tradierten Rolle der Roma-Frau als „marhime“, d. h. als sorgender Mutter entsprächen.
Marinke Gindullis (MG)
Politikwissenschaftlerin.
Rubrizierung: 2.27 | 2.61 Empfohlene Zitierweise: Marinke Gindullis, Rezension zu: Erika Kegyes (Hrsg.): Genderbilder aus Ungarn. Hamburg: 2008, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/9079-genderbilder-aus-ungarn_35793, veröffentlicht am 03.06.2009. Buch-Nr.: 35793 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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