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Das Wahlsystem als Reformobjekt

Axel Klein

Das Wahlsystem als Reformobjekt. Eine Untersuchung zu Entstehung und Auswirkung politischer Erneuerungsversuche am Beispiel Japan

Bonn: Bier'sche Verlagsanstalt 1998 (Bonner Japanforschungen 18); XVI, 318 S.; 75,- DM; ISBN 3-9806179-0-4
Japanolog. Diss. Bonn; Erstgutachter: P. Pantzer. - Klein will die Perspektive des Japanologen und des Politikwissenschaftlers vereinigen. Nach einem allgemeinen theoretischen Teil über die Wahlsystemfrage untersucht er die Bemühungen und Bedingungen zur Reform des japanischen Wahlsystems, zugleich ein Rundumblick in das politische System Japans. Dem Leser wird vorgeführt, aufgrund welcher politischen Kräfte und welcher Rahmenbedingungen es zur Reform des Wahlsystems 1994/95 gekommen ist (Kapitel 3, 147 Seiten) und wie sie sich ausgewirkt hat (Kapitel 4, 60 Seiten). Das Grabensystem, in dem 40 % der Mandate im Unterhaus nach dem Verhältniswahlrecht vergeben werden und 60 % nach dem Mehrheitswahlrecht in Einerwahlkreisen, führte zur Bestätigung der vorherigen Regierungskoalition und insgesamt zu einer leichten Konzentration des Parteiensystems (214 ff.). Ein von vielen Japanern erhofftes Zweiparteiensystem ist, so Klein, jedoch aufgrund des bedeutenden Anteils der über Verhältniswahl verteilten Mandate nicht entstanden (266 f.). Auch "politikorientierte Wahlkämpfe oder die Eindämmung der politischen Korruption wurden durch das Grabensystem bisher sogar eher behindert als gefördert" (277). So stellt Klein als Ergebnis fest: "Der Fall Japan demonstriert, wie gering die Bedeutung von Wahlsystemen für die Entwicklung und Gestaltung eines politischen Systems sein kann, wenn diese Akteure ihre alten Ziele auf neuen Wegen zu erreichen lernen" (277). Einmal mehr sei bewiesen - und dies müsse die Politikwissenschaft laut Klein aufgrund dieses Beispiels von nun an immer mitbedenken -, daß die Spieler wesentlich größeren Einfluß auf die Qualität und den Verlauf eines Spiels ausüben als die Regeln (277 f.). Inhaltsübersicht: 2. Zur Diskussion über Wahlsysteme; 3. Konstitutionsbedingungen des japanischen Wahlsystems; 4. Die Auswirkungen des reformierten Wahlsystems; 5. Das Wahlsystem als Reformobjekt.
Stefan Lembke (SL)
M. A., Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 2.68 | 2.22 Empfohlene Zitierweise: Stefan Lembke, Rezension zu: Axel Klein: Das Wahlsystem als Reformobjekt. Bonn: 1998, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/7872-das-wahlsystem-als-reformobjekt_10444, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 10444 Rezension drucken

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