Portal für Politikwissenschaft

Wirtschaftsmacht Afrika

Salua Nour / Ekkehard Münzing (Hrsg.)

Wirtschaftsmacht Afrika. Wachstumspole, Potenziale und Perspektiven

Frankfurt a. M. u. a.: Peter Lang 2015 (Edition OSI-Club); 371 S.; brosch., 44,39 €; ISBN 978-3-631-61177-7
Das Bild von Subsahara‑Afrika in der Öffentlichkeit wird immer noch von Bürgerkrieg, Hunger, Vertreibung und despotischen Potentaten bestimmt. Sofern die 54 Länder dieses Kontinents mit ihren über 1,1 Milliarden Menschen in den Medien aufscheinen, geht es um die illegale Migration über das Mittelmeer. Dass diese Staaten mehr zu bieten haben, spielt dagegen keine Rolle. Umso löblicher ist, dass die Herausgeber dieser düsteren Gegenwart ein anderes Bild gegenüberstellen wollen. Sie zielen auf das vom Rohstoffsektor ausgehende Wachstumspotenzial ab, das ihrer Ansicht nach wenig gewürdigt wird, das sie aber für geeignet halten, die drängendsten Probleme (Arbeitslosigkeit, Armut) zu überwinden. Wenn es darum geht, die Wahrnehmung zu hinterfragen, fehlt leider ein Beitrag zum Thema Postkolonialismus. So fokussiert der auf eine Ringvorlesung von 2009 basierende Band auf ökonomische Themen, das Afrikabild selbst wird nicht auf den Prüfstand gestellt. Der Befund, dass bislang noch alle Entwicklungsvorschläge und Problemlösungsansätze für die Staatenwelt Afrikas gescheitert sind (dazu Gero Erdmann), ist aber wenig überraschend. Die hier orchestrierten Beiträge wollen den Blick nach vorne richten. Im Fokus stehen dabei ausgewählte Policyfelder (z. B. die Landwirtschaft bei Michael Bröntrup und Christoph Kessler sowie der Bergbau bei Peter Buchholz), von denen sich die teils hochkarätigen Autoren entscheidende Impulse erhoffen. Es ist bezeichnend, dass etwa Christian von Soest die Republik Südafrika als derzeit größte Volkswirtschaft in den Blick nimmt und dabei völlig korrekt auf die politischen Verhältnisse in einem Land eingeht, das seit einiger Zeit wieder vor allem wegen der grassierenden Korruption im Fokus steht. Wenn Bernd Meissner und Eberhard Klitzsch auf die Perspektiven des Sudans eingehen, wird aber auch deutlich, dass der Band auf älteren Befunden basiert, die angesichts der Abspaltung des Südsudans eine Aktualisierung verdient hätten. Die Herausgeber wollen die versammelte Analyse als Etappe, nicht als Lösungsvorschlag verstanden wissen. Das funktioniert durchweg.
Martin Schwarz, Dr., Politikwissenschaftler, wiss. Mitarbeiter, Institut für Sozialwissenschaften und Philosophie (ISP) an der Universität Vechta.
Rubrizierung: 2.674.442.262.2 Empfohlene Zitierweise: Martin Schwarz, Rezension zu: Salua Nour / Ekkehard Münzing (Hrsg.): Wirtschaftsmacht Afrika. Frankfurt a. M. u. a.: 2015, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/40167-wirtschaftsmacht-afrika_47874, veröffentlicht am 17.11.2016. Buch-Nr.: 47874 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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