Portal für Politikwissenschaft

Marktbasierte Klimapolitik in Japan

Sven Rudolph

Marktbasierte Klimapolitik in Japan. Eine Fallstudie zur politischen Ökonomie nachhaltiger Treibhausgas-Emissionshandelssysteme

Marburg: Metropolis-Verlag 2014 (Ökologie und Wirtschaftsforschung 94); 398 S.; 38,- €; ISBN 978-3-7316-1055-7
Vor dem Hintergrund der volkswirtschaftlichen Stärke, der Unterzeichnung des völkerrechtlich verbindlichen Klimaschutzabkommens in Kyoto und der Reaktorkatastrophe von Fukushima ist es erstaunlich, dass Japan ‚seine‘ wirtschafts‑, energie‑ und klimapolitischen Herausforderungen bisher (Stand: 2014) kaum angegangen ist. Daher fragt Sven Rudolph, warum sich Japan „auf nationaler Ebene so schwer mit der Einführung eines anspruchsvollen klimapolitischen Emissionshandelssystems“ (17) tut. Außerdem versucht er zu klären, wie etwaige Umsetzungsbarrieren überwunden werden können. Zur Beantwortung seiner Fragen wählt Rudolph einen aus der politischen Ökonomie entnommenen akteurszentrierten Zugang, der vorrangig mit qualitativen Daten arbeitet und den der Autor um Nachhaltigkeits‑ und Gerechtigkeitskriterien anreichert. Besonders hervorzuheben ist, dass Rudolph keine vorgefertigten Modelle über das Fallbeispiel Japan stülpt. Vielmehr bemüht er sich, das Land ‚von innen heraus‘ zu verstehen, entsprechend gibt er der Darlegung gewachsener Strukturen und politisch relevanter Akteure ausreichend Raum. Auch der bisher theoretisch entwickelte und in der Praxis erprobte Emissionshandel wird von Rudolph näher beleuchtet und kritisch diskutiert. Wenngleich dieser durchaus auch Probleme aufweist, zeigt die Einführung des Emissionshandels nach Ansicht von Rudolph doch insgesamt positive Effekte, weswegen er die Lizenzlösung als ein vielversprechendes Instrument wertet. In seinem analytisch wichtigsten Kapitel 5 kommt er zu eher ernüchternden Ergebnissen: Die Interessen besonders einflussreicher Akteure in Japan (beispielsweise Industrieverbände, Teile der öffentlichen Verwaltung sowie gewählte Politiker) stehen einem nachhaltig ausgestalteten Treibhausgas‑Emissionshandelssystem entgegen; einzig eher schwache Akteure wie Umweltverbände unterstützen aktiv die Einführung klimapolitischer Veränderungen. Vor diesem Hintergrund scheint dem Autor derzeit lediglich die Umsetzung eines wenig ambitionierten Kohlenstoffmarktes realistisch. Trotz dieser eher düsteren Ergebnisse beendet Rudolph die Darstellung mit hoffnungsvollen Sätzen: Erstens habe Japan in der Vergangenheit auf externen Druck hin reagiert, zweitens sei ebenfalls deutlich geworden, dass andere Länder eine Vorbildfunktion übernehmen könnten, sodass auch kleine Schritte große klimapolitische Veränderungen bewirken könnten, und drittens dürfe gerade deshalb der klimapolitische Dialog nicht abgebrochen werden.
Ines Weber, M. A., Politikwissenschaftlerin (Kommunikationswissenschaftlerin, Psychologin), wiss. Mitarbeiterin, Institut für Sozialwissenschaften, Christian-Albrechts-Universität Kiel.
Rubrizierung: 2.682.261 Empfohlene Zitierweise: Ines Weber, Rezension zu: Sven Rudolph: Marktbasierte Klimapolitik in Japan. Marburg: 2014, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/40162-marktbasierte-klimapolitik-in-japan_45281, veröffentlicht am 24.11.2016. Buch-Nr.: 45281 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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