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Die Ukraine-Krise ist eine Krise Europas

Jerzy Maćków

Die Ukraine-Krise ist eine Krise Europas

Berlin: edition.fotoTAPETA 2016 (Flugschrift); 119 S.; brosch., 9,90 €; ISBN 978-3-940524-49-2
Die Ukraine‑Russland‑Krise ist ein Brennpunkt europäischer und internationaler Sicherheitspolitik, der seit 2014 kaum an Brisanz verloren hat. Jerzy Maćków, Professor für Politikwissenschaft in Regensburg, widmet sein Buch aber nicht aktuellen militärischen oder diplomatischen Entwicklungen, sondern will grundlegende geschichtliche Ursachen des Konflikts und denkbare Lösungswege aufzeigen. An der Auseinandersetzung zwischen Russland und der Ukraine zeigt sich für ihn der „Zusammenprall historisch gewachsener Identitäten und Kulturen“ (7) – Maćków spricht von zwei gegensätzlichen Kulturwelten, die Europa seit jeher prägten, die des europäischen Westens und die „sogenannte russkij mir (‚russische Welt‘)“ (18). Im frühen Mittelalter hätten sich diese zwei Welten noch kaum voneinander unterschieden, größte Differenz sei gewesen, dass sich die Urahnen der heutigen Russen für die orthodoxe Variante des Christentums entschieden hätten. Die heute in Russland „politisch gepflegte Legende“ (20), dass die Krim als Ursprungsgebiet den Russen so heilig sei wie ein Tempelberg, bezeichnet der Autor als „milde ausgedrückt […] zweifelhaft“ (20). Ausführlich beleuchtet er auch die Polen historisch zugeschriebene Rolle. Als etwa im Zarenreich die ukrainische Nationalbewegung unterdrückt worden sei, seien „die Ukrainer dort allen Ernstes als so etwas wie durch Polen verdorbene Russen“ (39) angesehen worden und hinter der ukrainischen Nationenbildung sei eine Intrige Polens vermutet worden. Auch heute noch leugne das Konzept der russkij mir eine „Ukraine als eigenständige Nation“ (79). Ein im Donbass aufseiten der Ukraine kämpfender russischsprachiger Soldat werde folglich „als faschistischer Irrer oder […] Söldner“ (80) dargestellt. Der wahre Hauptschuldige hinter dem Krieg seien aus dieser Sicht die USA. Als Grundbotschaft seines Essays wendet sich Maćków gegen die Darstellung, dass Russland ein geschichtlich begründetes Anrecht auf ukrainisches Territorium habe. Als „politisch defätistisch“ (10) verurteilt er zudem eine in Deutschland seiner Meinung nach weit verbreitete Haltung, dass der Großmacht Russland zur Wahrung des Friedens die Krim und andere Gebiete widerstandlos überlassen werden sollten. Die EU sieht er als durch die Krise überfordert an, da ihr „effiziente außenpolitische Institutionen“ (98) fehlten. Sie müsse aber in der Ukraine die eingesetzten Hilfsmittel „penibel“ (118) kontrollieren, um Korruption und Misswirtschaft einzudämmen, und sich zugleich gegen „totalitäre Traditionen“ und einen starken „antirussischen Reflex“ (118) im Lande stellen.
Wolfgang Denzler, Diplom-Journalist, B. A., Politikwissenschaftler, M. Sc., Nachhaltigkeitswissenschaftler.
Rubrizierung: 4.412.252.612.62 Empfohlene Zitierweise: Wolfgang Denzler, Rezension zu: Jerzy Maćków: Die Ukraine-Krise ist eine Krise Europas Berlin: 2016, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/40148-die-ukraine-krise-ist-eine-krise-europas_48448, veröffentlicht am 10.11.2016. Buch-Nr.: 48448 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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