Portal für Politikwissenschaft

Die Politik der Peripherie

Alexander Wolters

Die Politik der Peripherie. Protest und Öffentlichkeit in der Republik Kyrgyzstan

Bielefeld: transcript Verlag 2015 (bibliotheca eurasica); 348 S.; 54,99 €; ISBN 978-3-8376-3143-2
Diss. Frankfurt/Oder; Begutachtung: B. Christophe, I. Baldauf. – Alexander Wolters geht es in seiner Dissertation um „allgemeine Aussagen über die ‚Politik der Peripherie’“, also um die kollektiv verbindliche Entscheidungsfindung an jenen Orten, die weitab der globalen Machtzentren liegen, dennoch aber von diesen massiv beeinflusst werden. Am Beispiel der Republik Kyrgyztan geht er der Frage nach, wie sich Politik an diesen Orten gestaltet, „wo historische Erfahrungen von politischer Entscheidungsfindung immer stärker dem Druck moderner Sachzwänge ausgesetzt“ (9) sind, die in der Regel eine Zunahme von Komplexität und Kontingenz im politischen System bedeuten. In seiner systemtheoretisch an den Begrifflichkeiten Luhmanns orientierten Analyse konzentriert sich Wolters auf den Zeitabschnitt zwischen der sogenannten Tulpenrevolution im März 2005 und den Neuwahlen zum Parlament im Dezember 2007, wobei ein besonderer Fokus auf der „Entstehung der beiden Oppositionsbewegungen ‚Für Reformen’ und ‚Vereinigte Front’“ (15) liegt. Das Nachzeichnen politischer Entwicklungsdynamiken und Konflikte erfolgt auf Basis der Auswertung öffentlich zugänglicher Presseberichterstattung, die Wolters als „Konflikterzählungen“ (16) analysiert. Durch seine Analyse politischer Öffentlichkeit, die, so seine Einschätzung, in der Analyse hybrider Regime insgesamt unterausgeprägt sei, kommt er unter anderem zu dem Ergebnis, dass sich in den untersuchten Konfliktdynamiken eine Vollzugsform von Politik manifestiert habe, die er als „Kooptation“ bezeichnet. Der Begriff meine die „Form einer besonderen politischen Kommunikation“, die eine „permanente Simulation moderner Politik“ (257) bedeute und die Orientierung über politische Konflikte – und folglich auch deren Lösung – erschwere. Für die Verhältnisse in hybriden Regimen und die ‚Politik der Peripherie’ bedeute dies, so Wolters, dass, wann immer eine Politik der Kooptation dominiere, die weitere Ausprägung autoritärer Formen des Regierens sehr wahrscheinlich sei.
Matthias Lemke, Dr. phil. habil., Politikwissenschaftler (Soziologe, Historiker), wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Helmut-Schmidt-Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.682.22 Empfohlene Zitierweise: Matthias Lemke, Rezension zu: Alexander Wolters: Die Politik der Peripherie. Bielefeld: 2015, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/40105-die-politik-der-peripherie_47633, veröffentlicht am 06.10.2016. Buch-Nr.: 47633 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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