Portal für Politikwissenschaft

The Micro-Integration of Europe

Christina Minniberger

The Micro-Integration of Europe. The Functional Differentiation of Europe through Inter-Regional Learning

Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2015 (Recht und Politik in der Europäischen Union 6); 256 S.; brosch., 69,- €; ISBN 978-3-8487-2727-8
Diss. Frankfurt/Oder; Begutachtung: J. Neyer, H. Kilper. – Die europäische Integration wirkt sich nicht nur auf die Nationalstaaten aus, sondern führt zur verstärkten Zusammenarbeit der subnationalen Ebenen. Diese Zusammenarbeit – von Christina Minniberger als Micro‑Integration bezeichnet – ist essentiell für das Verständnis der Praxis, der Probleme und Koordinierungsstrategien zwischen unterschiedlichen regionalen Akteuren auf europäischer Ebene. Da diese ganz unterschiedliche institutionelle Konfigurationen, Handlungskompetenzen und Strukturprinzipien mitbringen (von Ballungsräumen hin zu wenig bevölkerten ländlichen Gegenden), stellt sich die Frage nach den Lerneffekten und den tatsächlichen Kooperationsmöglichkeiten. Die Ausgangsfrage der Arbeit ist, ob Förderprojekte wie das Interreg‑Programm zu einer regionalen Integration beitragen. Minniberger unterscheidet zunächst zwischen dem Begriff der Integration, den sie anhand von Lerneffekten operationalisiert, und der angesprochenen Heterogenität. Als Fallanalyse wählt sie das „Know‑Man“‑Projekt des Interreg‑C‑Programmes, das sechs unterschiedliche EU‑Regionen umfasst. Explizit geht es ihr darum, die „weichen“ Faktoren der Integration – Lerneffekte und Erfahrungsaustausch – analytisch zu erfassen. Hierbei greift die Autorin auf eigene Experteninterviews und Befragungen zurück. Zudem war sie als Forschungsassistentin an der Implementierung des Projekts beteiligt, sodass sie auf eine vielfältige Wissensbasis zurückgreifen kann. Zu den Untersuchungsergebnissen gehört, dass Lerneffekte und der Best‑Practice‑Austausch, der von der Europäischen Kommission gerne als Mehrwert der Projekte ausgegeben wird, nicht ohne Weiteres zu erreichen sind. Hierfür bedarf es einerseits eines entsprechenden (organisatorischen) Rahmens, der die Koordinierung der Zusammenarbeit gewährleisten kann. Wichtiger ist andererseits der Sinn, den die regionalen Akteure der Kooperation beimessen: Entscheidend sind hier der Wille zur Kooperation und eine grundsätzliche Lernbereitschaft, mit dem die strukturellen Unterschiede überwunden werden können. „Therefore, the case of Interreg emphasises the importance of a functional differentiation of the European integration for enabling progress despite the rising heterogeneity of the European integration.“ (233) Diese Erfahrungswerte und Lerneffekte sind, so die Autorin abschließend, zentral: [T]he idea of learning from past experiences of others has become a chief constituent of European policy‑making – despite or because of the omnipresent challenges of heterogeneity“ (234). Mit dieser empirisch gehaltvollen Studie zeigt die Autorin anschaulich die tägliche Praxis der europäischen Integration auf, die weitab von Brüssel stattfindet.
Fabrice Gireaud, Dr., Politikwissenschaftler und Lehrkraft für besondere Aufgaben an der Universität Vechta.
Rubrizierung: 3.1 Empfohlene Zitierweise: Fabrice Gireaud, Rezension zu: Christina Minniberger: The Micro-Integration of Europe. Baden-Baden: 2015, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/40102-the-micro-integration-of-europe_48339, veröffentlicht am 06.10.2016. Buch-Nr.: 48339 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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