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Greek Tragedy, European Odyssey: The Politics and Economics of the Eurozone Crisis

Robert Godby / Stephanie B. Anderson

Greek Tragedy, European Odyssey: The Politics and Economics of the Eurozone Crisis

Opladen u. a.: Barbara Budrich Publishers 2016; 209 S.; 28,- €; ISBN 978-3-8474-0618-1
Die wissenschaftliche Verarbeitung der Krise in der Eurozone hat aktuell einen Zeitpunkt erreicht, an dem genug Zeit zwischen der Gegenwart und dem akuten Höhepunkt der Krise im Jahr 2012 steht. Auch wenn andauernde Verhandlungen mit Griechenland zeigen, dass dieses Problem noch nicht vollständig gelöst ist, scheint es dennoch möglich und ratsam, die gesamte Krisenentwicklung in Gänze nachzuvollziehen. Dies unternehmen Robert Godby und Stephanie B. Anderson – beide von der Universität Wyoming – mit diesem Buch. Vor der Beschreibung des zeitlichen Krisenverlaufs liefern beide einen faktenreichen Überblick sowohl über die Geschichte europäischer (währungspolitischer) Integration als auch über die wirtschaftlichen Ausgangslagen der Staaten, die 2002 den Euro als Bargeld einführten. Mit diesen Argumenten kommen sie zu dem Schluss, dass die Eurokrise „das Ergebnis einer unvollständigen Währungsunion“ (167) war. Besonders der Mangel an politischer Integration wird in der Darstellung des Krisenverlaufs immer wieder angemerkt; dies habe dazu geführt, dass die Reaktionen auf den Ausbruch der Krise in der Regel zu zurückhaltend und zu spät gekommen seien. Ferner beziehen Godby und Anderson eine klar kritische Haltung zu den Austeritätsvorhaben in den Krisenstaaten und zeigen gut fundiert, dass diese wirtschaftspolitische Richtung mehr Schaden als Nutzen angerichtet hat. Schwerer als staatliche Schulden und Defizite wirken demnach die Bilanzungleichgewichte innerhalb der Union, für welche die „solideren“ Staaten ebenso Verantwortung tragen. Das Buch ist insgesamt gut strukturiert, sauber recherchiert, jedoch oft wenig pointiert – wer klarere Standpunkte zu diesem Thema lesen möchte, ist mit anderer Literatur (siehe Mark Blyth, „Wie Europa sich kaputtspart“, Buch‑Nr. 46426, Hans‑Werner Sinn, „Der Euro“, Buch‑Nr. 47714, oder Yanis Varoufakis et al., „Bescheidener Vorschlag zur Lösung der Eurokrise“, Buch‑Nr. 47096) besser bedient. Lesenswert sind jedoch die Schlussfolgerungen, die ein Dilemma europäischer Politik nochmals klarstellen: Wirtschaftlich gesehen wird es notwendig sein, dass die EU zur politischen Union wird, doch politisch gesehen wird sich diesen Schritt aktuell niemand zutrauen.
Max Lüggert, M. A., Politikwissenschaftler, Doktorand, Institut für Politische Wissenschaft und Soziologie, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn.
Rubrizierung: 3.5 Empfohlene Zitierweise: Max Lüggert, Rezension zu: Robert Godby / Stephanie B. Anderson: Greek Tragedy, European Odyssey: The Politics and Economics of the Eurozone Crisis Opladen u. a.: 2016, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/40059-greek-tragedy-european-odyssey-the-politics-and-economics-of-the-eurozone-crisis_46813, veröffentlicht am 08.09.2016. Buch-Nr.: 46813 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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