Portal für Politikwissenschaft

Voices of Freedom – Western Interference?

Anna Bischof / Zuzana Jürgens (Hrsg.)

Voices of Freedom – Western Interference? 60 Years of Radio Free Europe

Göttingen u. a.: Vandenhoeck & Ruprecht 2015 (Veröffentlichungen des Collegium Carolinum 130); XII, 294 S.; 49,99 €; ISBN 978-3-525-37310-1
Die ähnlich wie Radio Liberty konzipierte und vom US‑Kongress finanzierte Sendeanstalt nahm am 1. Mai 1951 ihren Sendebetrieb auf und verfolgte mit ihren Programmen das Ziel, demokratische Werte in die kommunistischen beziehungsweise osteuropäischen Staaten zu transportieren. Neben dem selbstgesteckten Ziel der Demokratievermittlung war Radio Free Europe (RFE) über lange Zeit für seine Hörerinnen und Hörer die einzige alternative Informationsquelle jenseits staatlich kontrollierter Medien. Wie kann man, so fragen die Autor_innen der Beiträge dieses Bandes, Demokratieradio – das von seinen politischen Gegnern nicht selten mit dem Vorwurf der Verbreitung von Propaganda konfrontiert wurde – erfolgreich gestalten und was macht ein solches Unterfangen mit seinen Adressatinnen und Adressaten? Simo Mikkonen führt in seinem Aufsatz zur Verortung von Radioprogrammen innerhalb der Soft‑Power‑Strategie während des Kalten Krieges aus, dass insbesondere einzelne Emigranten aus den Zielländern der Programme einen wertvollen Beitrag zur Programmgestaltung zu liefern vermochten, allzumal sie die Verhältnisse im Land gut kannten. Emigrantenorganisationen hingegen trugen wegen ihrer vielfach notorischen Zerstrittenheit deutlich weniger bei und wurden von den US‑amerikanischen Behörden auch weniger in die Programmgestaltung einbezogen. Christian Henrich‑Franke beleuchtet die rechtlichen Aspekte internationaler Radioprogramme in politischer Absicht. RFE profitierte demnach von der Tatsache, dass die Nutzung seiner Sendefrequenzen durch die Internationale Fernmeldeunion rechtlich abgesichert war. Welche Inhalte RFE indes auf diesen Frequenzen transportierte, war rechtlich nicht weiter zu bewerten, sodass dieses Schlupfloch letztlich dazu diente, ohne Grenzübertritt eine Ausbreitung und Verfestigung der – wie Henrich‑Franke schreibt – US‑Hegemonie in den Zielländern zu erreichen. RFE hat – so unterstreicht etwa Prokop Tomek in seinem Aufsatz – nicht nur eine breite Zuhörerschaft gefunden, etwa in der Bevölkerung der Tschechoslowakei. Es habe unzweifelhaft auch zur politischen Aktivierung und zum letztlich erfolgreichen Regimewechsel 1989 beigetragen. Von daher lasse sich mit Fug und Recht behaupten, dass die ersten 60 Jahre von RFE eine Erfolgsgeschichte gewesen seien. Angesichts der derzeitigen europa‑ und weltpolitischen Lage wird man nicht umhin können zu sagen: eine Erfolgsgeschichte, die der Fortsetzung bedarf.
Matthias Lemke, Dr. phil. habil., Politikwissenschaftler (Soziologe, Historiker), wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Helmut-Schmidt-Universität Hamburg.
Rubrizierung: 4.12.612.622.642.22 Empfohlene Zitierweise: Matthias Lemke, Rezension zu: Anna Bischof / Zuzana Jürgens (Hrsg.): Voices of Freedom – Western Interference? Göttingen u. a.: 2015, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/40041-voices-of-freedom--western-interference_47476, veröffentlicht am 01.09.2016. Buch-Nr.: 47476 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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