Portal für Politikwissenschaft

Von Konkurrenz zu Arbeitsteilung

Benjamin Faude

Von Konkurrenz zu Arbeitsteilung. Komplexität und Dynamik im Zusammenspiel internationaler Institutionen

Frankfurt a. M./New York: Campus Verlag 2015 (Staatlichkeit im Wandel 25); 197 S.; 39,90 €; ISBN 978-3-593-50326-4
Diss. Bamberg; Begutachtung: T. Gehring, S. Oberthür. – Die seit dem Ende des Kalten Krieges zu beobachtenden Veränderungen in den Bedingungen für zwischenstaatliche Kooperationen beeinflussen längst auch die Strukturelemente und Spielregeln des internationalen Systems. Daher ist es hoch interessant, wie Benjamin Faude, wissenschaftlicher Mitarbeiter am WZB, der Frage nachspürt, ob sich so etwas wie eine generelle Theorie der allgemeinen Tendenz formulieren lässt, die die funktionale Überlappung von regulativen internationalen Institutionen erklären hilft. Die sich abzeichnende Arbeitsteilung zwischen konkurrierenden Institutionen ist für Faude das eigentliche Phänomen, das durch das Zusammentreffen von spezifischen Rahmenbedingungen erklärt werden kann. Deren Identifikation und Verortung an der Schnittstelle von Überlappungsgrad und Kooperationsumfang wäre somit ein wichtiger Beitrag zur Erklärung von Prozessabläufen in den Internationalen Beziehungen. Der Autor kann an eine Reihe von Vorarbeiten anschließen, so an Zürns Regieren jenseits des Nationalstaats, an Ostroms polyzentrische Struktur oder an Keohanes Überlegungen zum Strategiehandeln in internationalen Institutionen. Die für Faude maßgebliche wechselseitige Beeinflussung ist schon länger in der Betrachtung, auch weil diese Institutionen keineswegs monothematisch arbeiten. Ihre Mitgliederstruktur macht sie vielmehr als parallele Verhandlungsarenen interessant, sodass sich eine regionale bzw. globale Aufgabenteilung geradezu anbietet. Das verdeutlichen auch die beiden Fallbeispiele „Geistige Eigentumsrechte“ und „Genmodifizierte Organismen“, die Faude wählt, um auf die (politische) Steuerbarkeit der ihn interessierenden Prozessabläufe eingehen zu können. Auf diese Weise hat er auch die beiden Wettbewerbsfaktoren Regelungskompetenzen und Ressourcenausstattung im Blick, die bislang über den Regimeansatz bzw. den Konstruktivismus analysiert werden. Konkrete Aussagen über die Herausbildung einer hierarchischen Ordnungsstruktur waren aber noch nicht möglich. Das möchte Faude ändern; sein Plädoyer für eine stärkere Betrachtung der aufgezeigten Kooperationseffekte ist in der Tat diskussionswürdig.
Martin Schwarz, Dr., Politikwissenschaftler, wiss. Mitarbeiter, Institut für Sozialwissenschaften und Philosophie (ISP) an der Universität Vechta.
Rubrizierung: 4.14.34.43 Empfohlene Zitierweise: Martin Schwarz, Rezension zu: Benjamin Faude: Von Konkurrenz zu Arbeitsteilung. Frankfurt a. M./New York: 2015, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/40038-von-konkurrenz-zu-arbeitsteilung_48050, veröffentlicht am 01.09.2016. Buch-Nr.: 48050 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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