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Die Ukraine – Grenzland oder Brücke?

Reinhard Hildebrandt

Die Ukraine – Grenzland oder Brücke? Reflexionen zum aktuellen Konflikt

Frankfurt a. M. u. a.: Peter Lang 2015; 233 S.; 44,95 €; ISBN 978-3-631-67066-8
Im Zentrum der Ausführungen des Publizisten und Politologen Reinhard Hildebrandt steht die Frage nach den „Strategien der äußeren Mächte im Machtspiel um die Orientierung der Ukraine“ (15) angesichts der Entwicklung des Landes seit der Nichtunterzeichnung des Assoziierungsabkommens mit der Europäischen Union im November 2013. Der Autor knüpft damit an frühere Überlegungen zur Fortentwicklung der internationalen Staatenordnung an (siehe Buch‑Nr. 44437), die von einem beständigen Streben der handelnden Staaten nach Machtausbau ausgehen. Dazu wird das Agieren externer Akteure wie den USA, Russland und Deutschland beziehungsweise der EU schlaglichtartig untersucht, werden immer wieder allgemeiner gehaltene Passagen zu dieser Auffassung von internationaler Politik eingestreut. Die innere Entwicklung der Ukraine wird in einem chronikartigen Stil zumeist auf die äußeren Faktoren bezogen. Entsprechend orientiert sich der Autor vor allem an Agenturmeldungen und Artikeln aus der deutschsprachigen Presse (besonders Die Zeit, Frankfurter Rundschau und Tagesspiegel) sowie teilweise aus einschlägigen aktuellen Beiträgen der Fachzeitschriften (Blätter für deutsche und internationale Politik, IP‑Internationale Politik, IPG Internationale Politik und Gesellschaft). Dabei wird ein Zeitraum von Anfang 2014 bis in die Sommermonate 2015 abgedeckt, aktuellere Entwicklungen können also nicht mehr nachvollzogen werden. Neben einer vielfach berechtigten Kritik an einer gerade anfangs überwiegend einseitigen medialen Berichterstattung in Deutschland wird vor allem die Rolle der USA als überaus negativ eingeschätzt. Dies kulminiert in der Annahme der bewussten Inszenierung einer „Neuauflage des Ost‑West‑Konflikts“ durch „Teile der US‑Machtelite“ (167) zur Beförderung der eigenen Rüstungsindustrie und zur Verhinderung einer (wirtschaftlichen) Annäherung Deutschlands und der EU an Russland und China. Die zugrundeliegenden Annahmen über die Funktionsmechanismen internationaler Politik bedingen besonders in solchen Passagen wiederum eine eindimensionale Argumentation, der der Autor in seinem Aufgreifen auch divergierender Meinungen eigentlich entgegentreten wollte. In seinem streitbaren Eintreten für eine „funktionierende eurasische Sicherheitsarchitektur“ (179) verliert Hildebrandt so die zahlreichen Ambivalenzen der äußeren Dimensionen des Ukrainekonflikts häufig aus dem Blick.
Martin Munke, M. A., Europawissenschaftler (Historiker), wiss. Mitarbeiter, Institut für Europäische Geschichte, Technische Universität Chemnitz.
Rubrizierung: 4.412.612.622.222.252.243.64.14.22 Empfohlene Zitierweise: Martin Munke, Rezension zu: Reinhard Hildebrandt: Die Ukraine – Grenzland oder Brücke? Frankfurt a. M. u. a.: 2015, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/39991-die-ukraine--grenzland-oder-bruecke_48105, veröffentlicht am 11.08.2016. Buch-Nr.: 48105 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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