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Japans aussenpolitische Strategie in einer multipolaren Welt

Takahiro Shinyo

Japans aussenpolitische Strategie in einer multipolaren Welt. Aus dem Japanischen übersetzt von Reiko und Markus Tidten

München: iudicium 2015; 172 S.; kart., 18,- €; ISBN 978-3-86205-412-1
Welche Rolle wird Japan künftig in der Weltpolitik spielen? Das ist die zentrale Frage, die sich Takahiro Shinyo, ehemals japanischer Botschafter bei den Vereinten Nationen und in der Bundesrepublik, stellt. Im Unterschied zur Originalausgabe hat der Autor ein zusätzliches einleitendes Kapitel vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklungen in Ostasien verfasst. Sein Fazit ist dabei alles andere als positiv: „Während der letzten ca. zehn Jahre hat man Japan in der multipolaren Welt kaum wahrgenommen, und der Eindruck eines japanischen Niedergangs ist leider unbestritten.“ (16) Japan muss sich, so der Autor, angesichts des Aufstiegs mehrerer Regionalmächte zu künftigen Machtzentren neu orientieren und seine Außenpolitik grundsätzlich reformieren, will es nicht an Bedeutung verlieren – bei nachlassender wirtschaftlicher Potenz keine einfache Aufgabe. Das Ziel, so wird deutlich, muss eine aktive Außenpolitik und eine weltweit engagierte Diplomatie sein. Damit ist grundsätzlich die Abkehr von der „übermäßigen Abhängigkeit von den USA in Sicherheits‑ und Wirtschaftsfragen“ (46) gemeint. Das Buch ist eine grundsätzliche Kritik an der bisherigen diplomatischen und außenpolitischen Strategie des Landes, die für die derzeitigen wie künftigen globalen Entwicklungen kein Rezept bereithält. Dabei spricht Shinyo – gerade für einen ehemaligen Diplomaten – viele Probleme erstaunlich offen an, etwa, wenn er die grundsätzliche Inkompetenz der heimischen Gesellschaft in sozialen Beziehungen beschreibt, die bis in den auswärtigen Dienst ausstrahlt. Grundsätzlich wird ein Nachholbedarf in den diplomatischen Beziehungen konstatiert, die zu ihrem jetzigen Zeitpunkt zum Teil naiv und nicht taktisch ausgeprägt wirkten. Das Buch entwickelt jedoch keinen Pamphlet‑Charakter, sondern zeigt realistische Handlungsoptionen für die japanische Außenpolitik auf. Shinyo plädiert für eine grundsätzliche Neuorientierung, gerade mit Blick auf eine mögliche Reform des VN‑Sicherheitsrats und den geforderten ständigen Sitz des Landes. Potenzial sieht er hier in einem starken aktiven Engagement in laufenden internationalen Konflikten in Form der Friedenssicherung. „Dieses Peace Making, nämlich unterschiedliche Interessen von Konfliktgegnern ausgleichen und durch Einsatz wirtschaftlicher und politischer Möglichkeiten den Friedensprozess anführen, um den Frieden zu realisieren, ist genau jene Kompetenz, die von einem ständigen Mitglied des Sicherheitsrats erwartet wird“ (167). Eine Machtposition in der Welt kann eben nur haben, wer sich entsprechend engagiert.
Fabrice Gireaud, Dr., Politikwissenschaftler und Lehrkraft für besondere Aufgaben an der Universität Vechta.
Rubrizierung: 4.222.684.24.34.54.41 Empfohlene Zitierweise: Fabrice Gireaud, Rezension zu: Takahiro Shinyo: Japans aussenpolitische Strategie in einer multipolaren Welt. München: 2015, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/39792-japans-aussenpolitische-strategie-in-einer-multipolaren-welt_48204, veröffentlicht am 30.06.2016. Buch-Nr.: 48204 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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