Portal für Politikwissenschaft

Farid Hafez (Hrsg.)

Islamophobia Studies Yearbook/Jahrbuch für Islamophobieforschung 2016/7

Wien: new academic press 2016; 177 S.; pb., 19,90 €; ISBN 978-3-7003-1953-5
In den seit 2010 erscheinenden Jahrbüchern zur Islamophobieforschung finden sich Aufsätze, in denen das Phänomen der Angst vor dem Islam interdisziplinär beleuchtet wird; abgedeckt werden die Bereiche Medien, Politik, Recht sowie weitere denkbare Felder der Diskriminierung von Muslimen. In dieser Ausgabe sind acht Beiträge zu Themen versammelt, die inhaltlich von antiislamischer Propaganda im Mittelalter bis zur Deutschen Islam Konferenz und geografisch von Norwegen bis Sri Lanka reichen. Zusätzlich finden sich einige Buchbesprechungen. Erwähnenswert sind vor allem die Aufsätze von Sindre Bangstad, Luis Manuel Hernandez Aguilar, Ines Monteira Arias und Nadja Ayoub/Christine Lohmeier. Bangstad sieht den Amoklauf von Anders Breivik am 22. Juli 2011 am Ende einer Dekade, in der islamophobische Tendenzen in Norwegen ein immer größeres Milieu angesprochen und im medialen Diskurs Prominenz erreicht hätten. Vor allem Ängste und nicht reale Bedrohungen oder Erfahrungen hätten zu einer Überdetermination des „Homo Islamicus“ (166) geführt und die Herausbildung eines Diskurses befördert, der in weiten Teilen dem Muster von Verschwörungstheorien gleiche. Arguilar sieht in der Deutschen Islam Konferenz eine Institution zur staatlich gesteuerten Leitung, Ausbildung und Führung von Imamen, die als Agenten der Integration dienen sollen. Arias liefert in ihrem Beitrag die historische Perspektive eines Bildprogramms, bei dem christliche Ritter und Krieger als Heilige gezeigt und Muslime dämonisiert werden. Ayoub und Lohmeier befassen sich mit der Münchener Moscheedebatte und analysieren die Muster, mit denen rechte Gruppen und Weblogs (zum Beispiel „Politically Incorrect“) die Moscheedebatte nutzten, um eine Drohkulisse zu erzeugen – vor dem Hintergrund der aktuellen deutschen (und europäischen) Diskussion ist dies ein wichtiger Beitrag nicht nur zur akademischen Debatte.
Michael Rohschürmann, Dr. phil., Politik- und Islamwissenschaftler, freier Autor, freier Mitarbeiter am Institut für Sicherheitheitspolitik an der Universität Kiel
Rubrizierung: 2.232.352.682.612.37 Empfohlene Zitierweise: Michael Rohschürmann, Rezension zu: Farid Hafez (Hrsg.): Islamophobia Studies Yearbook/Jahrbuch für Islamophobieforschung 2016/7 Wien: 2016, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/39764-islamophobia-studies-yearbookjahrbuch-fuer-islamophobieforschung-20167_48315, veröffentlicht am 16.06.2016. Buch-Nr.: 48315 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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