Portal für Politikwissenschaft

Somalia zwischen Staatsaufbau und Staatszerfall

Torben B. F. Stich

Somalia zwischen Staatsaufbau und Staatszerfall

Stuttgart: Franz Steiner Verlag 2015 (Staatsdiskurse 31); 171 S.; kart., 40,- €; ISBN 978-3-515-11186-7
Magisterarbeit Gießen; Begutachtung: R. Voigt. – Staat und Staatlichkeit sind vieldiskutierte Begriffe in der Politikwissenschaft. Klar ist: Der Staat ist ein westliches Konstrukt, das nicht überall auf der Welt gleichermaßen anwendbar ist – wie zahlreiche Konflikte in den ehemaligen Kolonien zeigen. Ebenso wenig sind Staaten ewige Gebilde. Torben B. F. Stich stellt daher die Frage nach der Staatlichkeit – also nach den Bezugsfaktoren, die den Staat charakterisieren – in Räumen, in denen es keinen Staat mehr gibt. Ein Paradebeispiel hierfür ist Somalia; dieses vom Autor als Fallbeispiel gewählte Land weist bekanntlich seit 1991 keine funktionierenden staatlichen Strukturen auf. Dementsprechend hat diese Arbeit „den Staat zum Gegenstand, den Staat in seiner ihm eigenen Dialektik – zwischen dem Staat in seinem Vollzug und dem des failed state“ (15). Sie gliedert sich in zwei wesentliche Teile. Im ersten Teil rückt nach einer kurzen Darstellung der somalischen Geschichte sowie einer kurzen Ausführung über den Staat und seine ideengeschichtlichen Wurzeln das Phänomen des Staatszerfalls in den Fokus, wobei ein kurzer politiktheoretischer Aufriss erfolgt. Für die weitere Analyse zieht der Autor fünf zentrale Kategorien heran – „Recht, Ökonomie, Nation, Religion, Individuum bzw. Familie“ (64) –, anhand derer eine Abwesenheit des Staates begründet werden kann. Nach diesem theoretischen Teil werden diese Bezüge im zweiten Teil sehr ausführlich am Beispiel Somalias dargestellt: Zwar verfügte das Land zum Zeitpunkt der Unabhängigkeit über eine relativ homogene ethnische Zusammensetzung, doch steht das dortige Clanwesen einer Identifikation mit einem Staat massiv im Wege und hat diesen vielerorts dauerhaft verdrängt. Denn der Clan „ist die bestimmende Identitätskategorie in Somalia. Daran und damit zeigt sich, dass ein Denken und Handeln als (abstraktes) Individuum in Somalia nicht besteht und durch das Clanwesen auch (weiterhin) verunmöglicht wird“ (163). Ein Wehrmutstropfen ist die etwas zu enge Anlehnung an das Buch von Jutta Bakonyi (siehe Buch‑Nr. 41254), das etwas zu häufig als Beleg dient, auch fehlen insbesondere die englischsprachigen Publikationen zum Thema. Ansonsten handelt es sich um eine lesenswerte Arbeit.
Fabrice Gireaud, Dr., Politikwissenschaftler und Lehrkraft für besondere Aufgaben an der Universität Vechta.
Rubrizierung: 2.67 | 2.21 Empfohlene Zitierweise: Fabrice Gireaud, Rezension zu: Torben B. F. Stich: Somalia zwischen Staatsaufbau und Staatszerfall Stuttgart: 2015, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/39761-somalia-zwischen-staatsaufbau-und-staatszerfall_48150, veröffentlicht am 16.06.2016. Buch-Nr.: 48150 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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